Wall Street reagiert mit leichten Kursrückschlägen
US-Wirtschaft wächst deutlich langsamer

Das amerikanische Wirtschaftswachstum hat sich im zweiten Quartal 2004 drastisch verlangsamt. Es erreichte im April-Juni-Abschnitt auf Jahresbasis hochgerechnet völlig überraschend nur noch drei Prozent. Es war das langsamste Wachstum seit dem ersten Quartal 2003. Dies hat das US-Handelsministerium am Freitag in Washington bekannt gegeben.

HB WASHINGTON. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft wuchs nach der ersten Schätzung des Handelsministeriums mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 3,0 Prozent, während Analysten mit 3,6 Prozent gerechnet hatten. Der Zuwachs für das erste Quartal wurde jedoch deutlich auf 4,5 Prozent nach oben revidiert. „Der Konsum war die starke Bremse im zweiten Quartal“, sagte Patrick Fearon, Volkswirt von A.G. Edwards & Sons. „Das kann von den hohen Ölpreisen kommen, die für viele Leute ein Schock waren.“ Die Inflationsrate verharrte mit 3,3 Prozent auf vergleichsweise hohem Niveau.

Der Dollar und die Aktienmärkte reagierten mit Kursverlusten auf die Daten. An den Anleihemärkten stiegen die Kurse, da von der US-Notenbank (Fed) jetzt ein weiter langsames Tempo bei den Zinserhöhungen erwartet wird. Zentralbankchef Alan Greenspan hatte bereits vergangene Woche die Öffentlichkeit auf geringere Wachstumszahlen für das zweite Quartal vorbereitet. Er stellte dies jedoch als vorübergehende Wachstumsdelle dar. Auch jüngste Konjunkturdaten wiesen bereits auf eine bald wieder höhere Drehzahl der Wirtschaft hin. So stieg der Konjunkturindex der Industrie-Einkaufsmanager in Chicago im Juli unerwartet deutlich.

Die Kauffreude der US-Verbraucher, seit jeher Motor der gesamten Wirtschaft, hat im zweiten Quartal stark nachgelassen. Mit annualisierten 1,0 Prozent, also etwa nur 0,25 Prozent zum ersten Quartal, legten die Ausgaben so wenig zu wie seit dem Rezessionsjahr 2001 nicht mehr. Zu Beginn dieses Jahres war der Konsum noch um 4,1 Prozent gestiegen. Der Absatz langlebiger Güter wie Autos oder Kühlschränke ging im abgelaufenen Vierteljahr sogar um 2,5 Prozent zurück. Die enttäuschenden Wachstumszahlen dürften den Druck auf US-Präsident George W. Bush erhöhen, der im Jahr der Präsidentenwahl einen robusten Aufschwung und im Zuge dessen auch eine Belebung am Arbeitsmarkt gut gebrauchen könnte.

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