Warnung vor Bundestags-Abstimmung
Ifo-Chef: Mindestlohn kostet 1,9 Millionen Jobs

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn warnt: Die Einführung bundesweiter Mindestlöhne kostet nach Berechnungen seines Instituts rund 1,9 Millionen Arbeitsplätze. Von einem „wirtschaftspolitischen Spiel mit dem Feuer“ ist die Rede.

HB BERLIN. Vor entscheidenden Bundestags-Abstimmung am Freitag zur Einführung eines Mindestlohns in der Briefzustell-Branche hat das Münchner ifo Institut für Wirtschaftsforschung vor einer Ausweitung der Regelung gewarnt. „Mindestlöhne sind ein wirtschaftspolitisches Spiel mit dem Feuer“, sagte ifo-Chef Hans-Werner Sinn der „Bild“-Zeitung.

Nach Sinns Berechnungen würde die Einführung bundesweiter Mindestlöhne in Höhe der für die Postdienste vorgesehenen bis zu 9,80 Euro pro Stunde zum Abbau von 1,9 Millionen Arbeitsplätzen führen.

Zur Begründung führte das Institut an, dass eine Übertragung auf alle Branchen zur Folge hätte, dass im Osten voraussichtlich 23,3 Prozent und im Westen 25,1 Prozent aller Beschäftigten in Niedriglohngruppen ihren Job verlören. Hochgerechnet auf alle Arbeitnehmer in der privaten Wirtschaft wären das nach Angaben Sinns rund 470 000 Stellen in Ostdeutschland und rund 1,42 Millionen Stellen in Westdeutschland.

Gesenkte Prognose für Deutschland

Das Ifo-Institut senkte seine Prognosen für 2008. Die Wirtschaft werde 2008 voraussichtlich nur um 1,8 Prozent wachsen, erklärte Sinn. Im laufenden Jahr betrage die nach unten korrigierte Wachstumsrate noch 2,5 Prozent. „Jetzt hängt alles am Konsum“, sagte Sinn.

„Wenn die Verbraucher nicht so zulegen und Geld in der Tasche haben, wird die gesamte Prognose wackeln“, warnte der ifo-Chef. Die privaten Konsumausgaben seien wegen der Mehrwertsteuererhöhung und steigender Preise im laufenden Jahr um 0,2 Prozent gesunken. Im kommenden Jahr rechnen die Wirtschaftsforscher beim privaten Konsum mit einem Wachstum von 1,5 Prozent. Die Inflationsrate steigt demnach von in diesem Jahr 2,1 Prozent auf 2,3 Prozent. Eine große Inflationsphase sei aber zumindest nicht zu erwarten.

Stärkster Konjunkturmotor war 2007 dem Ifo zufolge der Export. Positiv sei aber auch die „unglaubliche Dynamik auf dem Arbeitsmarkt“, sagte Sinn. „Es ist mehr als ein konjunktureller Aufschwung“. Nach durchschnittlich 3,783 Millionen Arbeitslosen im laufenden Jahr rechnen die Wirtschaftsforscher im kommenden Jahr mit 3,493 Millionen Menschen ohne Job, was einer Arbeitslosenquote von 8 Prozent entspräche. Bis 2009 werde die durchschnittliche Zahl der Arbeitslosen dann noch einmal auf 3,393 Millionen sinken, hieß es. Sinn erklärte, sowohl die gute Weltkonjunktur als auch die Arbeitsmarktreformen hätten zu dieser Entwicklung beigetragen.

Risiken für die gesamte Weltkonjunktur seien durch die US-Finanzkrise mit ihren möglichen Folgen für die US-Wirtschaft, den hohen Rohölpreis und den schwachen Dollar gegeben, sagte Sinn. „Die weltwirtschaftliche Konjunktur kühlt sich merklich ab“, erklärte er. „Wir haben die Prognose, dass das kommende Jahr noch ganz ordentlich sein wird, obwohl Gewitterwolken aus Amerika herüberziehen“, fügte er aber hinzu. „Die deutsche Konjunktur ist zum Jahresende 2007 weiter aufwärts gerichtet, wenn auch mit nachlassender Kraft.“ Geschwächt werde das Wachstum im kommenden Jahr, weil viele Investitionen bereits in das laufende Jahr vorgezogen worden seien. Für 2009 werde für Deutschland nur noch ein Wachstum um 1,5 Prozent erwartet.

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