Warnung vor „Schreckensszenarien“ bei Konjunkturerwartungen
„Eine Flaute ist noch keine Rezession“

Die Konjunkturaussichten für die deutsche Wirtschaft trüben sich immer mehr ein. Da sind sich die Experten einig. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnt jedoch vor "Schreckensszenarien". Und auch nach Einschätzung des ifo Instituts sollte die derzeitige Konjunkturabschwächung nicht überbewertet werden.

HB MÜNCHEN. "Momentan befinden wir uns am Ende des Aufschwungs, man muss aber keine Sorge haben, dass wir jahrelang in die Rezession rutschen", sagte der Leiter der Konjunkturabteilung des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Kai Carstensen, am Dienstag in München. "Das Wort Rezession ist eigentlich auch schon übertrieben. Daran glaube ich momentan nicht."

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft habe sich zuletzt zwar merklich eingetrübt, unterm Strich bleibe dank des starken Wachstums im ersten Quartal aber auch im Gesamtjahr ein deutliches Plus, sagte Carstensen. Selbst wenn die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal wie in Medienberichten vermutet um ein Prozent zurückgegangen sein sollte, bleibe rein rechnerisch immer noch ein Zuwachs von 1,9 Prozent in diesem Jahr.

"Jetzt schon von vornherein die Krise auszurufen, halte ich für übertrieben", sagte zudem DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben am Dienstag im Deutschlandfunk. Die Anpassungsfähigkeit von Unternehmen und Wirtschaftssystemen sei nicht zu unterschätzen. Es gebe Anzeichen für einen Abschwung, aber nach wie vor auch stabilisierende Momente. Angesichts von Rückenwind aus dem vergangenen Jahr erwartet der DIHK für dieses Jahr 2,3 Prozent Wachstum. Für 2009 sei jedoch mit einer Abkühlung zu rechnen. "Für das nächste Jahr können wir in der Tat froh sein, wenn wir eine Eins vor dem Komma haben."

Ein Konjunkturprogramm "im klassischen Sinne", dass die Regierung mit Geld die Nachfrage stimuliere, werde nicht benötigt, sagte der DIHK-Hauptgeschäftsführer. Die Politik solle die Anpassungsfähigkeit Wirtschaft aber zum Beispiel nicht durch Einführung von Mindestlöhnen schwächen.

Der Chefökonom des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Joachim Scheide, betont, die Auftragseingänge seien zwar schwach, aber die Auftragsbestände seien "immer noch sehr hoch". Die Konjunkturprognosen gingen allgemein davon aus, dass die Konjunktur bis Mitte 2009 unter Potenzial laufe und dann zögerlich wieder anziehe. "Dieses Grundbild hat sich nicht geändert", sagte Scheide. Das IfW erwarte weiterhin 1,0 Prozent Wachstum für kommendes Jahr. Allerdings bestünden Risiken, räumte auch Scheide ein.

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