Warten auf den Aufschwung
Wirtschaft in Südeuropa erwacht aus Tiefschlaf

Aus Südeuropa kommen erste Anzeichen dafür, dass der schlimmste Teil der Wirtschaftskrise überstanden sein könnte. Die Mittelmeerländer Spanien und Italien senden derzeit jedenfalls konjunkturelle Hoffnungssignale aus. Doch für viele Unternehmen könnte die frohe Botschaft zu spät kommen.
  • 0

MADRID/MAILAND. In Spanien sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal mit 1,1 Prozent schon deutlich langsamer, als im Vorquartal; und in Italien machte das Verbrauchervertrauen im August einen Satz und sprang auf den höchsten Stand seit März 2007 - zur großen Verblüffung aller Ökonomen.

"An einem gewissen Punkt ist es schwierig zu verstehen, womit die Italiener zufrieden sind", sagte Paolo Mameli, Volkswirt bei der Bank Intesa Sanpaolo. Er vermutet als Gründe für die gute Laune die verbesserte internationale Lage und die geringere Inflation, die den Italienern mehr Kaufkraft beschert. Allerdings sei es schwierig, aus dem Verbrauchervertrauen die tatsächliche Entwicklung des privaten Verbrauchs abzuleiten, schränkt der Ökonom ein. Die Verbraucherlaune war im August von 107,5 auf 111,8 Punkte gestiegen.

Italiens Wirtschaft steckt wie der Rest der Welt mitten im schwierigsten Jahr seit langem. Wie in allen Industriestaaten brach die Wirtschaft im Winter ein; für das Gesamtjahr rechnen die Beobachter mit einem Rückgang der Wirtschaftleistung von rund fünf Prozent.

Doch da Italien - anders als Spanien - nicht in einer Immobilienkrise steckt, dürfte "das Schlimmste vorbei sein", sagt Zentralbankchef Mario Draghi. Im Sommer scheint die Industrieproduktion ihren Fall beendet zu haben. Draghi schließt nicht aus, dass die Wirtschaft im kommenden Jahr wieder wachsen könnte - "wenn auch nur wenig".

Doch für viele Unternehmen könnte das Ende der Krise zu spät kommen, glaubt der Ex-Goldman-Sachs-Banker Draghi. Gerade Unternehmen, die sich mit Fremdkapital restrukturiert haben und von der Krise überrascht worden seien, könnte bald die Puste ausgehen. "Ihre Existenz ist bedroht." Die Folge wären Massen-Entlassungen, steigende Arbeitslosigkeit und sinkender Konsum.

Seite 1:

Wirtschaft in Südeuropa erwacht aus Tiefschlaf

Seite 2:

Kommentare zu " Warten auf den Aufschwung: Wirtschaft in Südeuropa erwacht aus Tiefschlaf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%