Wechselkurse
Trichet mahnt Euro-Länder

Die EU hat die USA und Asien zu einer Debatte über mehr Transparenz auf den internationalen Finanzmärkten aufgerufen und zugleich verlässlichere Wechselkurse eingefordert. Damit reagierte Brüssel auch auf eine Mahnung von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet.

HB BRÜSSEL. In der Öffentlichkeit müssten die Verantwortlichen so diszipliniert wie möglich auftreten und mit einer Stimme sprechen, mahnte Trichet bei einer Anhörung im Wirtschafts- und Währungsausschuss des EU-Parlaments in Brüssel. Der Euro hatte am 1. Oktober mit knapp 1,43 Dollar ein Rekordhoch erreicht.

Frankreich und Italien fürchten, dass dies Arbeitsplätze kosten könnte. Deutschland hatte sich ebenso wie die EZB bislang mit Äußerungen zurückgehalten. Alle drei Ländern nehmen kommende Woche am Treffen der sieben wichtigsten Industrieländer (G7) in Washington teil, wo auch Fragen der Wechselkurse diskutiert werden sollen.

Die Verantwortung für die Währungspolitik im Euro-Raum ist geteilt. Die EZB kann mit ihrer Geldpolitik und Interventionen am Devisenmarkt die Kurse bewegen, während die Finanzminister der Euro-Länder auf Foren wie der G7 über Wechselkurse beraten. Wichtigste Aufgabe der EZB ist die Preisstabilität, zu der ein starker Euro beitragen kann. Er dämpft den Preisaufstieg von Importen wie Rohstoffen, die häufig in Dollar abgerechnet werden.

Teure Energie sorgt nach den Worten Trichets auch weiterhin für Preisdruck im Euro-Raum. „Ungünstige Energiepreiseffekte werden in den kommenden Quartalen eine wichtige Wirkung auf die Inflation haben“, sagte er. Die jüngsten Daten bestätigten, dass die Risiken für die Preisstabilität aufwärts gerichtet blieben. Die Teuerungsrate werde in den nächsten Monaten deutlich über zwei Prozent verharren. EZB sieht Preisstabilität bei Raten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet.

Seit Ende 2005 hat die Notenbank ihren Leitzins stufenweise von zwei auf vier Prozent verdoppelt, um den Preisauftrieb während des Aufschwungs in Schach zu halten. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten hatte die EZB vergangene Woche wie schon im September von einer weiteren Zinserhöhung abgesehen. Analysten gehen inzwischen davon aus, dass die Währungshüter ihren Leitzins auf absehbare Zeit nicht antasten, um die Folgen der Finanzkrise für Konjunktur und Preisentwicklung besser einschätzen zu können.

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