Weihnachtsgeschäft
Konsum hängt an Staatshilfen

Ohne staatliche Unterstützung wäre der private Verbrauch in den führenden Industriestaaten wohl schon im laufenden Jahr stärker eingebrochen. Wie sehr Staatshilfen den globalen Konsum stützen und das Wachstum ankurbeln, hat ein Pariser Ökonom untersucht.
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DÜSSELDORF. Das Weihnachtsgeschäft 2009 wird sich nach Einschätzung von Ökonomen in vielen Ländern als vorerst letztes Aufbäumen der Konsumkonjunktur erweisen. Ohne Abwrackprämien, Steuersenkungen und sonstige staatliche Hilfen wäre der private Verbrauch in den führenden Industriestaaten schon im laufenden Jahr stärker eingebrochen. Steigende Arbeitslosenzahlen und die Überschuldung vieler Haushalte sprechen dafür, dass der Konsum 2010 eine Bremse des globalen Aufschwungs werden wird. Das gilt vor allem für die USA, deren Konsumenten bisher die Hauptstütze der weltweiten Nachfrage waren.

Wie stark staatliche Hilfen den globalen Konsum stützen, hat der Volkswirt Patrick Artus von der Pariser Investmentbank Natixis untersucht. In allen großen Industriestaaten habe sich der private Konsum über die Krise hinweg besser entwickelt als das Bruttoinlandsprodukt (BIP) und sogar besser als die Entwicklung der Lohneinkommen, stellte er fest. Das sei umso erstaunlicher, wenn man bedenke, dass die Haushalte größere Anteile ihrer Einkommen gespart hätten als vor der Krise. Der Konsum sei nur deshalb nicht eingebrochen, weil die Regierungen mit Steuererleichterungen und höheren Transferzahlungen dafür gesorgt hätten, dass die verfügbaren Einkommen gestiegen seien, schlussfolgert Artus.

Nach seinen Berechnungen hat die staatliche Stützung der Haushaltseinkommen das Wachstum in den USA im dritten Quartal um 3,2 Prozentpunkte im Jahresvergleich gehoben. Im Vergleich der größten westlichen Industriestaaten war der Effekt in Deutschland mit 0,9 Prozentpunkten am niedrigsten und in Spanien mit genau fünf Prozentpunkten am höchsten.

Das heißt im Klartext: Nachdem jahrelang eine lockere Geldpolitik vor allem den US–Amerikanern erlaubte, den Konsum schneller zu steigern als die Wirtschaftsleistung, hat jetzt eine schuldenfinanzierte Fiskalpolitik geholfen, diesen Kurs fortzusetzen. Doch irgendwann, so warnen Ökonomen, werde den Regierungen das Pulver ausgehen. Dann sei ein Konsumrückgang unvermeidlich, denn in Ländern mit geplatzten Immobilienblasen wie den USA, Spanien und Großbritannien müssten sich die Haushalte entschulden.

Erste Anzeichen dafür erkennt Volkswirt Simon Hayes von Barclays Capital in Großbritannien. Das Verhalten der Haushalte habe sich verändert, sagt er. Seit die Banken mit der Kreditvergabe restriktiver geworden seien, seien die Briten zum Konsumverzicht übergegangen, um sich weiterhin teure Häuser leisten zu können. Die private Nachfrage werde 2010 stagnieren, sagt er voraus. Für das Weihnachtsgeschäft 2009 auf der Insel erwarten Prognostiker allerdings noch leichte Zuwächse – wegen Vorzieheffekten vor der Mehrwertsteuererhöhung am 1. Januar.

Die japanische Regierung hat den Konsum im laufenden Jahr mit Zuschüssen für den Kauf langlebiger Konsumgüter und umweltfreundlicher Autos aufrechterhalten. Doch für 2010 rechnet Mikihiro Matsuoka von der Deutschen Bank mit einem Rückgang des privaten Verbrauchs von 0,2 Prozent.

Die OECD sagt in ihrem jüngsten weltwirtschaftlichen Ausblick voraus, dass der private Konsum 2010 in Deutschland um 0,5 Prozent und in Spanien um 1,1 Prozent sinken wird. In Frankreich hingegen sieht sie ihn um 0,3 Prozent und in den USA um 1,3 Prozent steigen. All das liegt deutlich unter den erwarteten BIP-Wachstumsraten.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom

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  • Das Verhalten der Haushalte ändert sich - endlich geben die Menschen nur noch das Geld aus, das sie haben und vor allem für nützliche Dinge. Die Krise hat so doch auch etwas Gutes

  • Ja, fresst und verbraucht, bis sie untergeht, dieses einzige Welt.

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