Weltbank-Prognose
Weniger Wachstum in Russland

Die russische Wirtschaft kommt nach Einschätzung der Weltbank doch nicht so schnell aus der Krise wie bislang angenommen. Für das laufende Jahr sei nur mit einem Wachstum von 4,2 Prozent zu rechnen, erklärte die Weltbank in einer aktualisierten Prognose am Dienstag.
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HB MOSKAU. Das sind 0,3 Prozentpunkte weniger als bisher vorhergesagt. Auch für die kommenden beiden Jahre seien die Aussichten düsterer als zuletzt prognostiziert. "Das Wachstum geht 2011 und 2012 gebremst weiter und hängt davon ab, dass es deutliche Fortschritte beim Konsum gibt und die Kreditversorgung der Wirtschaft anzieht, damit die Investitionen in Schwung kommen", sagte Zeljko Bogetic, Russland-Volkswirt bei der Weltbank, der Nachrichtenagentur Reuters.

Zugleich bereite die steigende Inflation Sorgen. Die Weltbank rechnet für das laufende Jahr mit einer Teuerungsrate von acht bis neun Prozent. Die Zentralbank müsse daher womöglich ihre Geldpolitik noch vor dem Jahresende straffen. Steigende Lebensmittelpreise nach der verheerenden Dürre im Sommer dürften die Lebenshaltungskosten in die Höhe treiben. Dazu komme die hohe Liquidität, die in der Wirtschaft vorhanden sei. Es könnte daher angezeigt sein, einiges von diesem Geld wieder einzusammeln, etwa über erhöhte Mindestreserveanforderungen für die Banken, sagte Bogetic. Die russische Zentralbank hatte den Leitzins im Oktober nicht angetastet und signalisiert, dass sie auch in den kommenden Monaten keine Zinserhöhungen plant. Die meisten Experten rechnen erst Anfang 2011 mit Zinsschritten.

Risiken für die Wirtschaft seien im Haushalt erkennbar, sagte Bogetic: So habe die Regierung in Moskau bei ihren Berechnungen für 2010 und 2011 einen Ölpreis von 75 Dollar je Fass zugrunde gelegt. Sie habe daher keinen Puffer mehr, wenn der Ölpreis unter dieses Niveau falle. Zugleich sei mit einem steigenden Ausgabendruck vor der Wahl 2011/2012 zu rechnen. Im kommenden Jahr erwartet die Weltbank ein Wachstum von 4,5 Prozent (Juni: 4,8 Prozent) und 2012 von nur 3,5 Prozent (4,7 Prozent). Sie ist damit optimistischer als der Internationale Währungsfonds, der für das laufende Jahr nur mit vier Prozent Zuwachs rechnet.

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