Weltbank-Studie "Doing Business in 2006"
Analyse: Reformvorsprung für Deutschland

Die Weltbank-Studie "Doing Business in 2006" verteilt gute Noten an Deutschland, besonders des Reformeifers wegen. Nachbar Frankreich muss nachsitzen.

Oberflächlich betrachtet, scheint alles wie immer. Nach den gängigen Konjunkturprognosen bekommt Deutschland im kommenden Jahr in der Euro-Zone in Sachen Wirtschaftswachstum wieder einmal die rote Laterne. Vor allem Frankreich, ökonomisch nach Deutschland zweitgrößtes Land des Euro-Raums, wird die Bundesrepublik wirtschaftlich wieder einmal alt aussehen lassen. Jenseits des Rheins dürfte das Wachstum in diesem und im nächsten Jahr in etwa jeweils doppelt so hoch sein wie hier zu Lande. „La Grande Nation“ lässt damit Deutschland das 14. Jahr in Folge konjunkturell hinter sich.

Bonjour Tristesse? Von wegen! Tatsächlich hat die französische Volkswirtschaft – anders als noch vor wenigen Jahren – mittlerweile weit größere Probleme als die deutsche. Nur werden diese noch von der gut laufenden Konjunktur des Landes überdeckt. Beispiel Welthandel: Frankreichs Unternehmen verlieren seit Jahren Marktanteile, deutsche gewinnen sie. Beispiel Lohnkosten: In Frankreich dürften sie zwischen 2004 und 2006 pro Jahr um je rund drei Prozent steigen, bei uns stagnieren sie. Beispiel Abgabenbelastung: In Frankreich wird diese laut OECD von 2004 bis 2006 von 50,7 auf 51,3 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen, bei uns von 44 auf 43 Prozent sinken. Beispiel Staatsverschuldung: Die öffentlichen Haushalte in Frankreich sind ähnlich marode wie in der Bundesrepublik, ohne dass Frankreich jährlich vier Prozent seiner Wirtschaftsleistung in eine Problemregion wie Ostdeutschland pumpt. Beispiel Bürokratie: Frankreich liegt im Weltbank-Ranking weit abgeschlagen auf Platz 44 von 155 und bietet Unternehmen damit schlechtere Rahmenbedingungen als Länder wie Samoa oder Botswana. Deutschland dagegen schafft dank zahlreicher Reformen 2005 erstmals den Sprung in die Top-20-Liste der Länder mit der weltweit wirtschaftsfreundlichsten Bürokratie.

Bleibt nur ein kleiner Schönheitsfehler: Zeigt nicht das seit 1993 in schöner Regelmäßigkeit Jahr für Jahr höhere Wirtschaftswachstum in Frankreich, dass die dortige Ökonomie trotz allem besser aufgestellt ist als die deutsche?

Keineswegs. Denn schon jetzt ist absehbar, dass Frankreich nicht mehr lange von den Faktoren zehren kann, die ihm gegenüber Deutschland ein Wachstumsplus beschert haben. In den neunziger Jahren und auch noch zu Beginn dieses Jahrzehnts waren es in erster Linie die deutschen Strukturprobleme, die für unsere Wachstumsschwäche verantwortlich waren. Vor allem die Baukrise nach dem Wiedervereinigungsboom, die exzessive Lohnpolitik der Gewerkschaften bis in die Mitte der neunziger Jahr, die stetig steigenden Kosten der Sozialversicherungssysteme und der verkrustete Arbeitsmarkt führten zu einem stetigen Anstieg der Sockelarbeitslosigkeit.

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