Weltbank
Weltbank vergibt unnötige Kredite

Die Weltbank hat an staatlichen Banken im Schwellenland Indien zwei Milliarden Dollar verteilt. Dabei haben die Institute das Geld gar nicht nötig, meinen Kritiker. Das Darlehen behindere sogar das politische Ziel der Weltbank, die Privatisierung voranzubringen, indem es den Staatssektor stärke.
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NEU-DELHI. Die Weltbank gerät wegen ihrer großzügigen Kreditvergabe an wirtschaftlich starke Schwellenländer immer mehr in die Kritik. Anlass ist ein kürzlich bewilligtes Darlehen in Höhe von zwei Mrd. Dollar an Indiens staatliche Banken. Kritiker werfen dem Entwicklungsfinanzier vor, Indien brauche das Geld nicht, weil seine Banken die Finanzkrise weitgehend unbeschadet überstanden hätten. Auch widerspreche das Darlehen dem politischen Ziel der Weltbank, die Privatisierung voranzubringen, indem es den Staatssektor stärke.

Der Vorwurf einer verfehlten Kreditpolitik wiegt besonders schwer, weil Weltbankchef Robert Zoellick erst vergangene Woche gewarnt hatte, seinem Institut drohten 2010 die Mittel auszugehen.

Die zwei Mrd. Dollar für Indiens Staatsbanken sind der zweithöchste Einzelkredit, den die Weltbank seit ihrer Gründung vor 65 Jahren vergeben hat. Nur Südkorea bekam 1997 mehr - seine Wirtschaft stand damals wegen der Asienkrise unmittelbar vor dem Kollaps. Indiens Wirtschaft dagegen geht es im weltweiten Vergleich zurzeit sehr gut - sie wächst um mehr als sechs Prozent.

Auch die Banken sind "gesund und profitabel", wie es in einer vertraulichen Direktoriumsvorlage der Weltbank zu dem Kredit heißt. Das dem Handelsblatt vorliegende Papier beziffert die Eigenkapitalquote der Staatsbanken auf über zwölf Prozent, der privaten Institute sogar auf rund 15 Prozent. Das ist weit mehr als die neun Prozent, die nach den Basel-II-Normen international vorgeschrieben sind. Dennoch begründet Weltbank-Indiendirektor Roberto Zagha die Zwei-Milliarden-Finanzspritze damit, dass die Eigenkapitalbasis der Banken verbessert werden müsse, damit nicht womöglich in Zukunft ihre Darlehensvergabe leide.

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