Weltbank
Zoellick warnt vor Selbstzfriedenheit bei Krisenbekämpfung

Weltbank-Chef Robert Zoellick hat davor gewarnt, sich angesichts der Anzeichen für eine Erholung der Weltwirtschaft zurückzulehnen und die Krise schon als überwunden zu betrachten. IWF-Chef Dominique Strauß-Kahn warnte vor einem zu schnellen Ausstieg aus den Krisenprogrammen.
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HB ISTANBUL. Weltbank-Präsident Zoellick sagte, die wirtschaftliche Entwicklung 2010 sei angesichts auslaufender staatlicher Hilfsprogramme "höchst unsicher". "Die Gefahr ist nicht mehr der Zusammenbruch der Wirtschaft, die Gefahr ist inzwischen Selbstzufriedenheit", mahnte er.

Schwellen- und Entwicklungsländer können nach Ansicht von Zoellick entscheidend dazu beitragen, die Weltwirtschaftskrise dauerhaft zu überwinden. In diesen Staaten sei Potenzial vorhanden, die Binnennachfrage anzukurbeln, sagte Zoellick am Freitag in Istanbul. Allerdings müsse die Staatengemeinschaft beispielsweise über die Weltbank die dazu nötigen Finanzierungsmittel bereitstellen. "Eine Weltwirtschaft, die sich auf viele Pfeiler stützen kann, ist stabiler", betonte er.

Zoellick mahnte, der jetzt einsetzende Aufschwung der Weltwirtschaft aus der tiefsten Krise seit Jahrzehnten werde vergleichsweise schwach bleiben und von vielen Risiken belastet. Nachdem die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer vor wenigen Tagen konkrete Lehren aus der Krise gezogen hätten, komme es nun darauf an, die Basis für den Aufschwung zu verbreitern. Schließlich verfügten IWF und Weltbank über 186 Mitglieder, die es nun für diese Maßnahmen zu gewinnen gelte. "Das hier ist eine G186", sagte Zoellick.

Nun müsse es darum gehen, als Folge der Krise und der weltwirtschaftlichen Kräfteverschiebungen der letzten Jahre auch die Stimmgewichte im IWF und in der Weltbank zu verschieben.

Nach den Beschlüssen der G20 von Pittsburgh werde sich das Stimmgewicht der Schwellen- und Entwicklungsländer zulasten der reichen Länder um drei Prozentpunkte verschieben. Ihr Gewicht gehe damit in Richtung 50 Prozent.

Zugleich forderte Zoellick die Mitgliedsländer auf, der Weltbank und anderen internationalen Finanzinstitutionen zusätzliches Kapital in ausreichendem Maße zur Verfügung zu stellen, damit diese gerade auch den ärmeren Ländern bei der Bewältigung der Krise helfen könnten. Hier gehe es um schwierige Verhandlungen. Doch letztlich seien diese Kapitalhilfen auch im Interesse der reichen Ländern selbst.

Die Weltbank und Internationaler Währungsfonds treffen sich kommende Woche (6./7. Oktober) in Istanbul zu ihrer traditionellen Jahrestagung. Im Mittelpunkt stehen dabei Beratungen über Strategien und Herausforderungen für die Zeit nach der Weltwirtschaftskrise.

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