Weltenergiekonferenz
Ein Hauch von Davos in Rom

Der Auftakt der Weltenergiekonferenz in Rom glich einer perfekten Choreographie: Beeindruckendes Filmmaterial, Tänzer, Akrobaten. Doch am Ende der Show hatten zwei Aktivisten von Greenpeace ihren großen Auftritt – und verdeutlichten, worum es bei der hochkarätig besetzten Konferenz geht.

ROM. So richtig gestört haben die Greenpeace-Aktivisten eigentlich nicht. Die Eröffnungszeremonie für die 20. Weltenergiekonferenz endet mit einer aufwändigen Performance. Auf der großen, rund 30 Meter breiten Leinwand erzählt ein bild- und wortgewaltiger Film von Naturgewalten, Katastrophen, der Energie und dem Leben. Dazu beleben Tänzer und Akrobaten die Szenerie, zum großen Finale schweben Trapezkünstler über die Bühne. Und als die Show vorüber ist, fordert der Moderator die "zwei zusätzlichen Freunde“, die die ganze Zeit im Gestänge unter dem Hallendach ausgeharrt haben, auf, jetzt ihre Botschaft zu zeigen. Die beiden Aktivisten seilen sich ab und spannen ihr Transparent gegen die Atomkraft auf – als ob es zur Choreographie gehören würde.

Vorbei an allen Sicherheitskräften, und zum Entsetzen des Stabs von Ministerpräsident Romano Prodi, haben es die zwei Greenpeace-Mitarbeiter in eine eigentlich geschlossene Gesellschaft geschafft. Hier in Rom trifft sich die Elite der internationalen Energiewirtschaft. Durch die Hallen der schicken "Nuova Fiera“, der erst kürzlich eröffneten neuen Messe von Rom, weht ein Hauch des Weltwirtschaftsforums. Als "Energie-Davos“ bewirbt der verantwortliche Weltenergierat, eine Organisation mit über 100 nationalen Komitees, die Veranstaltung. Große Energiekonferenzen gibt es zwar fast im Wochentakt und auch regelmäßig gut besetzte. Die Weltenergiekonferenz macht sich aber rar, findet nur alle drei Jahre statt – und kann dafür mit einer herausragenden Teilnehmerliste glänzen.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso ist da, der Generaldirektor der Welthandelsorganisation Pascal führende Konzernchefs wie Pierre Gadonneix von Electricité de France, Fulvio von Enel, Rex Tillerson von Exxon-Mobil oder Abdallah Jum’ah von Saudi Aramco sowie Energieminister aus dem Nahen Osten, Russland und Asien.

Und so findet am Nachmittag eine illustre Runde zusammen: Auf dem Podium in der Haupthalle diskutieren die Chefs von Suez, Gérard Mestrallet, Endesa, Rafael Miranda, American Electric Power und dem koreanischen Unternehmen Daesung. Mit dabei sein sollte eigentlich auch Hans-Peter Villis. Doch der neue Energie Baden-Württemberg-Chef (EnBW) sagte seinen ersten internationalen Auftritt kurzfristig ab.

Das Thema des Round-Table-Gesprächs ist so global wie die Runde: "Wie sind die Energiemärkte der Welt voneinander abhängig?“ Das trifft das Kernthema der Konferenz: Die Verflechtung beim Thema Energie – dem Wettstreit der Industrienationen, Schwellen- und Entwicklungsländern um die knappen Ressourcen, dem Spannungsfeld zwischen steigendem Energiebedarf und Umweltschutz.

Noch bis Donnerstag diskutieren rund 3 900 Energiemanager, Politiker, Berater und Lobbyisten aus 117 Ländern. In moderierten Round-Table-Gesprächen in der zentralen Halle mit Großbildleinwand und Platz für mehrere tausend Zuhörern oder in den zahlreichen parallel stattfindenden Diskussionsrunden debattieren sie über den enormen Investitionsbedarf der Branche, die immer knapper werdenden Resourcen, die Zukunft des Verkehrs, den kaum zu stillenden Energiehunger der asiatischen Wirtschaftsmächte – und natürlich die Klimaproblematik. Im Blick immer die Frage, auf die zur Zeit jede Regierung die passende Antwort sucht: Wie sieht die Energieversorgung der Zukunft aus?

Begleitet wird die Konferenz von einer Messe. Auf 25 000 Quadratmetern präsentieren sich über 300 Aussteller. Weltkonzerne wie Exxon-Mobil, Gazprom oder Shell sind ebenso mit einem Stand vertreten wie die EnBW, einer der Sponsoren. Rar machen sich in Rom einzig die deutschen Branchenriesen Eon und RWE. Kein Stand in den Messehallen, kein Vorstandsvorsitzender in der Konferenz. Eon hat Johannes Teyssen, Chief Operating Officer, geschickt. Hintergrund sind länger zurück liegende Streitereien im Deutschen Nationalen Komitee. Eon war zwischenzeitlich ausgetreten, RWE ist es noch immer. "Aber das war keine gute Entscheidung, der globalen Diskussion kann man sich nicht verschließen“, sagt Teyssen.

Das machen die Chinesen dieses Mal aber auf breiter Front. Fast alle gemeldeten Teilnehmer haben kurzfristig abgesagt. Das Klimaproblem nehme im Programm einen zu großen Raum ein, munkelt man. China, großer Emittent des klimaschädlichen Kohlendioxids wolle nicht am Pranger stehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%