Welthandel
„Industrielle Stärke ist Chance für kommenden Aufschwung“

Nach Einschätzung von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle haben sich die Perspektiven für die deutsche Wirtschaft in den vergangenen Monaten deutlich verbessert. 2010 werde Deutschland von der Belebung des Welthandels profitieren, sagte Brüderle dem Handelsblatt. Auch die Exporteure prophezeien, 2010 wieder zur Konjunkturlokomotive zu werden.
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doh/HB BERLIN. Die weltwirtschaftliche Erholung werde insbesondere von der dynamischen Entwicklung in Asien, vor allem China, getragen, sagte Brüderle (FDP). Risiken bestünden hingegen in Mittel- und Osteuropa. "Deutschlands industrielle Stärke ist gerade kein Beleg einer strukturpolitischen Rückständigkeit, sondern bietet uns große Chancen für den kommenden Aufschwung", sagte Brüderle. Kritisch werde es sein, für den Ausstieg aus der fiskal- und geldpolitischen Konjunkturstützung den richtigen Zeitpunkt zu finden. "In der EU wollen wir den Ausstieg aus den fiskalpolitischen Maßnahmen spätestens 2011 beginnen", kündigte der Bundeswirtschaftsminister an.

Die Exporteure sehen sich nach dem historischen Einbruch in diesem Jahr ebenfalls wieder als Zugpferd der deutschen Wirtschaft. „Der Außenhandel wird sich 2010 als Konjunkturmotor erweisen“, sagte der Präsident des Branchenverbandes BGA, Anton Börner, am Mittwoch. „Die Exporte werden um bis zu zehn Prozent steigen können, angetrieben insbesondere von der Nachfrage aus Asien.“

Für das zu Ende gehende Jahr rechnet Börner allerdings noch mit einem Rückgang der Warenexporte um 18 Prozent. Das wäre das größte Minus der Nachkriegszeit. Es werde „noch mindestens bis 2012 dauern, bis die deutsche Außenwirtschaft die jüngsten Einbrüche wettmachen und wieder zu alter Stärke auflaufen kann“. Die Finanzkrise sei noch immer nicht vollständig überwunden.

Trotz des heftigen Einbruchs sieht der BGA noch Chancen, dass sich Deutschland 2009 das siebente Jahr in Folge mit dem Titel Exportweltmeister schmücken und das aufstrebende China noch einmal auf Platz zwei verweisen kann. „Die Exporte beider Länder dürften im laufenden Jahr um jeweils gut 18 Prozent gesunken sein, so dass am Ende der Dollarkurs den Ausschlag geben wird.“ Je stärker der Euro, desto höher ist rein rechnerisch der Wert der deutschen Ausfuhren, der für den internationalen Vergleich in Dollar berechnet wird.

China sei aber nicht nur der größte Konkurrent, sondern auch der dynamischste Kunde. „Mit seinem Nachholbedarf bei Infrastruktur, Maschinen und grünen Technologien bietet China auf viele Jahre hinaus gute Exportchancen“, sagte Börner. Das treffe auch auf andere großen Schwellenländer wie Indien, Brasilien und Russland zu.

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  • Die Ausführungen brüderles und börners zum Marktportfolio sind richtungsweisend. Wir können nur dort verkaufen, wo Nachfrage nach innovativen Produkten ensteht und wächst. Eingeschlossen in die Wertung der beiden ist die Erkenntnis, dass anspruchsvolle investitionsgüter vorrangig von Kunden nachgefragt sind, die sich dem technischen Fortschritt selbst verschrieben haben und die über hinreichende Kaufkraft verfügen - gleichgültig ob diese Kaufkraft aus Güterproduktion, Dienstleistung oder Rohstoffgewinnung entsteht. Der begründete Optimismus darf aber unseren kritischen blick auf Wettbewerbsfaktoren nicht verstellen. Unsere Arbeitskosten stehen auf dem Prüfstand und unser Exportüberschuss wird hinsichtlich der globalen Verteilung der Arbeit kritischer betrachtet werden. Die damit verbundenen Herausforderungen gilt es unter weitgehender Wahrung unseres Volkswohlstands zu bewältigen. Allen die daran arbeiten und allen Lesern von Handelsblatt-Online wünsche ich ein gesundes, erfolgreiches und friedvolles neues Jahr 2010.

  • Die Ausführungen brüderles und börners zum Marktportfolio sind richtungsweisend. Wir können nur dort verkaufen, wo Nachfrage nach innovativen Produkten ensteht und wächst. Eingeschlossen in die Wertung der beiden ist die Erkenntnis, dass anspruchsvolle investitionsgüter vorrangig von Kunden nachgefragt sind, die sich dem technischen Fortschritt selbst verschrieben haben und die über hinreichende Kaufkraft verfügen - gleichgültig ob diese Kaufkraft aus Güterproduktion, Dienstleistung oder Rohstoffgewinnung entsteht. Der begründete Optimismus darf aber unseren kritischen blick auf Wettbewerbsfaktoren verstellen. Unsere Arbeitskosten stehen auf dem Prüfstand und unser Exportüberschuss wird hinsichtlich der globalen Verteilung der Arbeit kritischer betrachtet werden. Die damit verbundenen Herausforderungen gilt es unter weitgehender Wahrung unseres Volkswohlstands zu bewältigen. Allen die daran arbeiten und allen Lesern von Handelsblatt-Online wünsche ich ein gesundes, erfolgreiches und friedvolles neues Jahr 2010.

  • Der Güterumschlag der deutschen Seeschifffahrt ist laut Statistischem bundesamt in den ersten neun Monaten 2009 um 19 Prozent eingebrochen. Der Containerumschlag brach sogar um mehr als ein Viertel ein.

    Die Charterraten, Einnahmequelle Nummer eins der Reeder, ist inzwischen um bis zu 80 Prozent eingebrochen. Rund 11 Prozent der Welt-Containerschiffflotte ist ohne beschäftigung. bei Werften, Emissionshäusern und vor allem schiffsfinanzierenden banken tun sich inzwischen Milliardenlöcher auf. Wegen der Schifffahrtskrise ist seit Wochen von einer steigenden Gefahr einer Pleitewelle die Rede, die möglicherweise nur durch das Eingreifen des Staates verhindert werden kann.

    bei der Luftfracht sieht es auch nicht gerade rosig aus.

    bleibt die Frage, woher Herr brüderle und Herr börner ihren Optimismus für eine „belebung des Welthandels 2010“ beziehen.

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