Weltweite Industriepolitik: Wo der Staat beherzt eingreift

Weltweite Industriepolitik
Wo der Staat beherzt eingreift

Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie ist in den Fokus der EU-Kommission gerückt. So fordert Industriekommissar Tajani eine bessere Kooperation von Politik und Industrie. Wie die Zusammenarbeit in anderen Nationen funktioniert.
  • 0

Frankreich: Wirtschaftsgrößen und Politiker marschieren Hand in Hand

Man kennt sich, man hilft sich. Dieses Prinzip gilt im berühmten kölschen Klüngel im Kleinen, in Frankreich dagegen gilt es im Großen. Die Kontakte und Verbindungen zwischen Industrie und Staat sind seit jeher enger als in Deutschland. Dies hat zum einen historische Gründe, angefangen bei Frankreichs zentralistischer Struktur. Alle Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft sitzen in Paris. Und seit der französischen Revolution 1789 gehört zur DNA der Eliten, dass der Staat als Hüter des Gemeinwohls ein Mitspracherecht in Wirtschaftsfragen hat.

Zum anderen kennen sich viele Entscheidungsträger persönlich aus der Zeit an den Eliteschulen wie Polytechnique, HEC oder Ena. Ein Beispiel: Expremier Dominique de Villepin, die sozialistische Spitzenpolitikerin Ségolène Royal und der Chef des Versicherungskonzerns Axa, Henri de Castries, drückten im selben Jahr die Bank der Kaderschmiede Ena. Die meisten Topmanager haben auch ihre Karriere in den Beraterstäben der Ministerien begonnen, etwa EADS-Chef Louis Gallois oder Vivendi-Chef Jean-Bernard Lévy.

Anders als in Deutschland sind die Sphären zwischen Politik und Wirtschaft daher durchlässiger, und Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy nutzt dies zur Einflussnahme. Stéphane Richard machte Millionen mit Immobilien, bevor ihn sein Freund Sarkozy zum Kabinettschef von Wirtschaftsministerin Christine Lagarde machte. Danach wechselte Richard zurück in die Wirtschaft; Sarkozy beförderte ihn zum Chef von France Télécom.

Dieses gut geölte Räderwerk zwischen Politik und Industrie macht es auch leichter, bei industriepolitischen Fragen an einem Strang zu ziehen. Beispiel Elektroauto: Der Staat beteiligt sich an einer neuen Batterie-Fabrik des halbstaatlichen Autokonzerns Renault, entwickelt über den staatlichen Stromkonzern EDF nebenher die E-Tankstellen und platziert über die staatlichen Stellen und Unternehmen eine Mega-Order für 100 000 Strom-Autos, die wohl in den Büchern der heimischen Hersteller landen dürfte.

Seite 1:

Wo der Staat beherzt eingreift

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Weltweite Industriepolitik: Wo der Staat beherzt eingreift"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%