Weltwirtschaft: IWF: Yen-Geschäfte bergen große Risiken

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IWF: Yen-Geschäfte bergen große Risiken

Der geschäftsführende Direktor des Internationalen Währungsfonds, Rodrigo de Rato, warnt vor einem „Abflauen der Weltwirtschaft“, wenn im Ausland investiertes Kapital in großem Stil nach Japan zurückfließen sollte. Einer Rückabwicklung der laufenden Kapitaltransfers von Japan in Währungsräume mit höheren Zinsen könnte das Wechselkursgefüge stören und globale Ungleichgewichte verstärken, sagte de Rato der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge bei einer Rede in Washington.

fmk TOKIO. Der Chef des IWF bezog sich auf so genannte Carry Trades: Anleger nehmen in Japan Geld auf und legen es im Ausland an. In Japan müssen sie wegen des niedrigen Leitzinses kaum etwas für die Refinanzierung zahlen, in anderen Ländern locken deutlich über fünf Prozent Rendite. Leicht verdientes Geld – solange der Wechselkurs des Yens niedrig bleibt. Es gibt zwei größere Kategorien von Carry Trades. Einerseits stecken japanische Privatanleger ihr Geld in so genannte Uridashi-Bonds: Produkte, die in Staatsanleihen der Hochzinsländer Neuseeland und Australien investieren. Außerdem mischen Internationale Großinvestoren kräftig mit, die Yen im großen Stil in verschiedene lohnende Investments fließen lassen – hauptsächlich in die USA.

Analyst Masafumi Yamamoto von Nikko Citigroup weist darauf hin, dass de Ratos Mahnungen im Kern nicht von denen des Gouverneurs der Bank of Japan (BoJ), Toshihiko Fukui, abweichen. Beide seien sich einig, dass Japan die Zinsen erst bei nachhaltigen Preisanstiegen im Inland deutlich anheben könne. Die Preisentwicklung bewegt sich jedoch immer noch am Rande einer Deflation. Die BoJ wolle außerdem ihrerseits das Risiko vermeiden, einen Rückfluss des Auslandskapitals auszulösen. Yamamoto schlussfolgert, dass die BoJ Zinssteigerungen sehr gemächlich angehen wird und vermutlich bis Jahresende nur noch einmal um 0,25 Prozentpunkte hochsetzen wird. Nach einer Leitzinserhöhung der Bank of Japan in der vergangenen Woche verhielten sich die Märkte paradox: Der Yen fiel, und die Aktienkurse stiegen. Normalerweise signalisieren Steigerungen des Notenbankzinses eine Aufwertung der jeweiligen Währung. Aktien leiden im Allgemeinen unter steigenden Zinsen. Die Märkte achteten vergangene Woche jedoch vor allem auf die Andeutung, dass demnächst keine weitere Zinserhöhung bevorstehe, so dass auch das Volumen der Carry Trades noch einmal stieg. Ökonomen warnten davor, dass auf die Yen-Party ein Kater folgen könne. Je stärker die Investoren auf den fallenden Yen setzten, um so spektakulärer falle hinterher die Korrektur aus. Der Yen würde überproportional steigen und Japans Exporte abwürgen, während anderswo plötzlich Kapital abfließe, das dann in Japan nicht besonders gut aufgehoben wäre.

Für die Carry Trades spiele der japanische Leitzins eine kleinere Rolle als im Allgemeinen unterstellt, urteilt Markus Krygier, leitender Devisenstratege bei Dresdner Kleinwort. Wichtiger sei der Risikoappetit der großen US-Investoren. Die laufenden Transaktionen verlieren ihren Wert, wenn der Yen steigt. Sie sind also mit einem Wechselkursrisiko belastet. Wenn die Anleger dieses nicht mehr tragen wollen, dann enden auch die Carry Trades, so Krygier. Daher hänge das Schicksal dieser Geschäfte mindestens genauso stark vom US-Leitzins ab. Andere Devisenexperten sehen nur geringe Gefahren, da der Yen ihrer Meinung nach fundamental gar nicht sehr unterbewertet sei.

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