Weltwirtschaft Vorsicht Investmentbanker!

Wo echte Menschen echte Produkte herstellen, brummt es. Doch wo die Finanzexperten der Banken am Werke sind, knirscht die Wirtschaft gewaltig. Der Banker ist zum Bedroher geworden. Eine Polemik von Gabor Steingart
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Die Finanzmärkte gelten ihren Kritikern als das kalte Herz des Kapitalismus. Emotionsfrei. Profitorientiert. Unbarmherzig.

Doch die Finanzmärkte unserer Tage wirken eher wie das verwirrte Gemüt eines Zirkuselefanten, der den Kopf in rhythmischen Bewegungen von links nach rechts wirft, um ihn sodann zornig gegen die Gitterstäbe knallen zu lassen. Instinktgetrieben. Orientierungslos. Unbeherrscht.

Der Deutsche Aktienindex sauste binnen 19 Tagen um 25 Prozent nach unten, um nach der Kehrtwende wieder um sieben Prozent zuzulegen. An den Weltbörsen das gleiche Schauspiel. Zwischen Tief- und Höchstpunkt des Jahres 2011 lagen in New York, London und Frankfurt bisher rund 6,5 Billionen Euro. Entweder haben die Herren des Geldes sich vorher in ihren Bewertungen kolossal verhauen - oder sie tun es jetzt.

An der Börse werde die Zukunft gehandelt, heißt es immer. Aber die Börse kennt die Zukunft nicht. Und schlimmer noch: Sie hat derzeit offenbar keine Vorstellung von ihr. Die Analyseberichte der Investmentbanker lesen sich wie die Protokolle einer Therapiegruppe. Jeder brabbelt eine andere Zukunft vor sich hin.

Das Publikum kann sich mittlerweile frei aussuchen, welche Wirklichkeit es für die wahre hält. Steigt Amerika ab, oder wird von Google, Apple und Facebook gerade Weltwirtschaftsgeschichte geschrieben? Zerfällt Europa in seine Teile, oder wird das Ganze - widerstrebend und unter enormen Schmerzen - gerade mit Urgewalt zusammengeschweißt? Kippt die Weltwirtschaft in eine Rezession? Aber warum ist Volkswagen dann bis zum Jahresende ausgelastet, selbst wenn ab heute kein Neuwagen mehr verkauft würde?

"Der Hund, der sein Herrchen angreift"
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57 Kommentare zu "Weltwirtschaft: Vorsicht Investmentbanker!"

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  • Ich mag Gabor Steingart, aber ich bin auch überrascht, mit wie wenig wirtschaftlicher Perspektive man eine beeindruckende Karriere als Wirtschaftsjournalist machen kann.
    Was Steingart hier anbietet, sind im wesentlichen Metaphern, die eines Soziologen durchaus würdig wären. Eine solide ökonomische Beschreibung der Krise lese ich in der FT und bei einigen anderen Autoren im Handelsblatt.

  • Einsicht ist der beste Weg zur Besserung.

    Als Bürger kann man hier eh null verändern. Die Zeiten, wo das evtl möglich war, sind bestenfalls zu den Zeiten meiner Eltern, Großeltern gewesen.

    - Auf jedem PC sitz der Bundestrojaner,
    - Handies sind Wanzen, die wir auch noch bezahlen
    - Bankgeheimnis, es war einmal
    - Gedankenkontrolle, sehr wahrscheinlich. Volkswagen steuert damit Autos

    Wenn man hier etwas ändern will, sollte man an- und in sich selbst anfangen. Und das geht eben nur, wenn man sein Gehirn auch mal einschaltet und nicht nur nachpappert.

    Oft liegt die Lösung in den Sachen, die vom Staat besonders lächerlich gemacht wird. Das Volk soll dumm udn fügsam sein und nicht ohne seine Sklaventreiber auskommen (Politiker, Religionsführer, Medien).

    Man kann viel Negatives über unsere Gesellschaft sagen. Aber wer will kommt mit dem Internet an fast alle Informationen, die man benötigt, um sich uns sein Leben in den Griff zu bekommen.


  • Welt-online vom 01.06.2011
    Im Würgegriff der Mafia aus Finanzwelt und Politik
    Die Finanzkrise war kein Unfall. Europas oberster Korruptionsbekämpfer spricht von einem Milieu, in dem Bereicherung Ziel des Handelns ist. Und die Politik macht mit. - Ausschnitte -
    "Hetzer: Die Finanzwelt folgt der Logik der Mafia, nämlich der Orientierung am höchstmöglichen Gewinn bei minimiertem Risiko. Dazu werden alle Mittel eingesetzt, die Wirksamkeit versprechen, etwa in Kontakten mit Wirtschaft, Verwaltung und Politik."
    "Welt Online: Wer gehört zu dieser Finanzmafia?
    Hetzer: Es gehören alle Finanzinstitutionen, alle Investmentbaken dazu, soweit sie ausschließlich zu eigenem Nutzen und an den Grenzen des Parteiverrats - man verkauft Produkte und wettet gleichzeitig auf deren Verfall – gearbeitet hat."
    "Welt Online: Was sind die Handlungsmotive innerhalb der Finanzmafia?
    Hetzer: Es ist die Gier, die sie treibt. Gier und Selbstprivilegierung. Durch Selbstprivilegierung und erkauftes Wohlwollen entstand ein Milieu, in dem die erfolgreiche Teilnahme an Bereicherungsorgien alleiniges Ziel des Handelns ist. Wer nicht ein entsprechendes Ego mitbringt, der steigt gar nicht in die Vorstände der Finanzwelt auf. Das sind Leute, die sich dauernd vergleichen wollen, die krankhafte Vorstellungen von Erfolg haben, sonst würden sie bestimmte Dinge gar nicht tun."
    http://www.welt.de/finanzen/article13407540/Im-Wuergegriff-der-Mafia-aus-Finanzwelt-und-Politik.html

  • Mit anderen Worten, die Banker sind SCHLAU
    Egal wie die Wirtschaft läuft, sie lassen es sich gut gehen.

    Fragt man sich echt, wer hier doof ist.
    Die Politiker haben ihr Schäfchen längst alle im Trocknen, die Banker bekommen fette Boni, nur die Lemmige jammern.

  • Vielleicht sollte der Autor, Herr Steingart, erst einmal das Investmentbanking etwas dezidierter erklären, und nicht die drei unterschiedlichen Bereiche Trading, Research und Mergers & Acquisitions pauschal über einen Kamm scheren.

    Einen kleinen Exkurs gäbe es von mir kostenlos.

  • @Diamant

    Ich finde das Ganze recht einfach u. verständlich.

    Aber zu den Details:
    Basel 3 zwingt zu einer Core Tier 1 Ratio von 4.5 percent zusätzlich noch ein Puffer von 2.5% macht Mindestanforderung 7% hartes Kernkapital. Hartes Kernkapital ist AK + zurückgehaltene Gewinne. Das ist einer der Gründe warum die Bilanzen der Banken verkürzt werden und Aktiva verkauft wird. Schweiz und UK gehen in den Anforderungen gar noch weiter. Keine Bank ist daran interessiert das bei Kreditausfällen u. damit Rückgang des EK eine Kapitalerhöhung oder worst case scenario der Staat als Anteilskäufer auftritt. Von daher klemmt die Kreditvergabe.

    Es ist so, dass ein niedriger Leitzins immer schon zu einer leichtsinnigen Vergabe von Krediten geführt hat. Das mag angehen, wenn die Zinsen niedrig bleiben, bei einen Anstieg der Leitzinsen fallen die schwachen Schuldner aus und bei den Banken steigt der Abschreibungsbedarf, umso mehr als auch die Immobilien preise im Sinkflug sind. Den Notenbanken ist u. war das durchaus bewusst. Politische Motivation darf hier wirklich nicht ausgeschlossen werden. Und nochmal die Notenbanken sind den Geschäftsbanken vorgeschaltet und von daher geben die Notenbanken den Ton an.

    Selbstredend findet mit den rekordniedrigen Leitzinsen und den QE 1, 2 u. evtl. 3 auch eine Erhöhung der Geldmenge statt. Die Banken leihen Geld von der Notenbank, welches dann zu einen unverzinslichen Giroguthaben bei der Notenbank führt. Das hier nicht zwangsläufig physisch Geld ausgegeben wird, sollte jeden klar sein. Die Geldmenge wächst u. der Wert der Währung schrumpft damit steigt die Inflation. Ich kann daher nicht sehen, dass eine Erhöhung der Geldmenge durch die Notenbank in irgendeiner Form irrelevant ist.

  • Dem ist absolut nichts hinzuzufügen!
    Endlich jemand abseits der pauschalisierenden "Bild"-Leserschaft. À propos "Bild", dieser Artikel hier wäre selbst für dieses "Klatschblatt" unseriös... Der Investmentbanker - Staatsfeind Nr. 1... Das ich nicht lache!

  • Da zahlen sich die "Masters of the univers" Millionengehälter und Boni, ihre Firmenwerte rauschen dennoch immer tiefer in den Keller. Solange der Steuerzahler dafür aufkommt, kennt man keine Hemmungen. Einer von denen hat mir mal in der Lehmannkrise erzählt, das System führt früher oder später aber schon bald automatisch ins Verderben. Deshalb seinen die Banker so gierig. Keiner weiß wie lange es gut geht. Was aber jeder weiß, er muss sein Schäflein für's Leben lang im Trockenen haben, denn nach dem Knall gibt es nur noch Verlierer und Arme. Für ein solches Leben sei er nicht geboren. Eigentlich eine vernünftige Ansicht, sofern es nicht zu Lasten anderer geht. Aber was ist auf dieser Welt noch vernünftig? Ethisches Handeln ist scheinbar ein Relikt aus träumerischen Zeiten.

  • @ SollundHaben

    Ganz so einfach, wie Sie sich das machen ist das aber nicht. Die Schein- und Faulkredite haben schließlich nicht die Notenbanken vergeben.

    Eine Bank braucht als Beispiel für einen vergebenen Kredit von 100.000 Euro zwischen 2 und 8% (je nach Land) an "echtem" Kapital als Sicherheitsleistung. Der Rest ist "imaginäres" Kapital. Demzufolge kann man sagen - ca. 90-95% der Umlaufmenge an Kapital werden nicht durch die Notenbanken verwaltet sondern liegen in den Händen bzw. den Computern der Banken. Ob da nun die Notenbanken ein paar Dollar mehr oder weniger drucken ist fast irrelevant. Man vergisst immer - die Notenbanken verwalten nur das physische Kapital (Banknoten) - nicht aber das "Virtuelle" durch Kredite erzeugte (Ein Grund, warum man in vielen Staaten versucht Banknoten abzuwürgen oder gar abzuschaffen - um den Einfluss der Notenbanken auf das Kapital zu verringern).

    In ferner Zukunft könnte man Geld sicherlich in "Krediteinheiten" umbenennen (wie schon in manchem utopischen Roman) - das würde es dann vom Wort her eher treffen.

  • Entwaffnend, ehrlich, zutreffend und doch ernüchternd irrelevant...
    Warum ändert sich an all dem Beschriebenen nichts? Weil sich nie etwas einfach so ändert. Es muss geändert werden. Wer aber kann es ändern?
    Wer? Und warum haben diese Menschen es bisher nicht geändert? Es ist frustrierend in diesen Zeiten Bürger und Steuerzahler zu sein. Es ist ZUM KOTZEN... Ich habe mein Vertrauen in die Institutionen und leider auch in die Politiker verloren und kann nur hoffen, es eines Tages wiederzufinden. In der Hoffnung, dass Ihr Artikel Beachtung finden möge... Ein Leser, 33 Jahre, selbständig, aus Frankfurt am Main

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