Weltwirtschaftsausblick
IWF rechnet auf Jahre mit Produktionseinbruch

Laut IWF lehrt die Erfahrung aus vorherigen Abschwüngen: Die globale Finanzkrise wird die Wirtschaft vieler Länder über Jahre nicht loslassen. Vor allem die Produktion in den betroffenen Volkswirtschaften werde mittelfristig deutlich unter dem Niveau aus der Zeit vor der Krise verharren.

mak/FRANKFURT. Das schreibt der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem veröffentlichten analytischen Teil des Weltwirtschaftsausblicks. Die IWF-Experten stützen sich dabei auf die Untersuchung von 88 Bankenkrisen während der vergangenen 40 Jahre. Zudem haben sie zurück bis ins Jahr 1870 analysiert, wie sich die globale Produktion nach größeren Finanzkrisen entwickelt hat. Die gesamte Produktion aller derzeit von der Finanzkrise betroffenen Industriestaaten beläuft sich nach IWF-Angaben auf fast die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aller entwickelten Volkswirtschaften. Das ist rund ein Viertel des BIP weltweit.

Die mit der aktuellen Krise verbundenen Einbußen an Kapital, Investitionen, Beschäftigung und Produktivität könnten anhaltende Spuren in den Produktionskapazitäten der Länder hinterlassen, befürchtet die Washingtoner Organisation in ihrer nach eigener Aussage „ernüchternden Analyse“. Es sei unwahrscheinlich, dass die reale Produktion in den entwickelten Volkswirtschaften auf den Trendpfad zurückkehre, dem sie vor der Krise gefolgt sei, so der IWF. Eine schnelle Erholung wie in den Schwellenländern nach der Schuldenkrise der 80er-Jahre werde es nicht geben.

Der globale Charakter der Krise mache es zudem wenig wahrscheinlich, dass die Auslandsnachfrage so stabilisierend wirken werde wie in vorangegangenen Krisen. Trotz aller Unterschiede im Detail müssen die Staaten laut IWF im Durchschnitt damit rechnen, dass ihr Produktionsniveau sieben Jahre nach der Krise noch um zehn Prozent unter dem Vor-Krisen-Niveau liegen wird.

Die Regierungen und Notenbanken stellen die großen, dauerhaften Produktionseinbrüche vor große Herausforderungen, urteilt der IWF. Bisher hätten die Geld- und Fiskalpolitik kraftvoll auf die Krise reagiert. Es herrsche aber Unsicherheit darüber, in welchem Umfang die Krise Produktionskapazitäten entwertet habe. Es sei daher schwierig, die sogenannte Produktionslücke einer Volkswirtschaft zu ermitteln. Das mache die Formulierung weiterer makroökonomischer Hilfen besonders schwierig. Für die Geldpolitik im Euro-Raum hatte der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank, Lucas Papademos, bereits vor Wochen in einem Gespräch mit dem Handelsblatt auf diese Problematik hingewiesen.

Der IWF hält es für wichtig, für den Abzug der enormen staatlichen und geldpolitischen Hilfen den richtigen Zeitpunkt zu finden. Auf der einen Seite könne ein verfrühter Ausstieg die wirtschaftliche Erholung ersticken, auf der anderen Seite bedeute zu langes Abwarten womöglich Inflation. In einer Reihe von Volkswirtschaften wachse zudem die Sorge über die Tragfähigkeit der dramatisch gestiegenen Staatsdefizite und Schulden der Regierungen. Der Druck werde zunehmen, wenn sich die Produktionsausfälle als dauerhaft erwiesen und die Staatseinnahmen beschränkten.

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