Weniger neue Stellen
US-Arbeitsmarktdaten dämpfen Aufschwungshoffnung

Die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt hat sich auch trotz der lockeren Geldpolitik der Notenbank Fed nicht merklich verbessert. Im November entstanden deutlich weniger Arbeitsplätze, als vorhergesagt. Gleichzeitig drängen wieder mehr Langzeitarbeitslose auf den Stellenmarkt.
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HB WASHINGTON. Der US-Arbeitsmarkt kämpft sich nur mühsam aus der Krise. Im November wurden deutlich weniger neue Stellen geschaffen als erwartet. Im öffentlichen Dienst bei den Kommunen fielen sogar Jobs weg, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Die schwierige Lage bekräftigte die Erwartungen, dass die US-Notenbank Fed bei ihrem 600 Milliarden Dollar schweren Ankaufprogramm bleibt, um die Wirtschaft in Schwung zu bringen.

Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg um 39 000, von Reuters befragte Analysten hatten mit 140 000 neuen Jobs gerechnet. Am Markt wurde das mit Kursverlusten quittiert: Der Dax fiel um 0,4 Prozent auf 6926 Punkte, der Dollar gab nach, die US-Börsen eröffneten mit Verlusten. „Diese Daten deuten nicht notwendigerweise auf einen Wendepunkt hin, aber sie sind ein Beispiel dafür, wie holprig die Erholung werden wird“, sagte Jeff Kleintop von LPL Financial in Boston. Auch andere Experten zeigten sich enttäuscht: Zuletzt hatte eine Reihe von Konjunkturdaten auf einen Aufschwung in den USA hingedeutet.

Die Arbeitslosenquote stieg auf 9,8 Prozent, zum Teil deswegen, weil sich angesichts gestiegener Konjunkturerwartungen wieder mehr Menschen auf Jobsuche machen, die sich zuletzt enttäuscht vom Arbeitsmarkt abgewendet haben. „Ich hatte damit gerechnet, dass die Arbeitslosenquote höher ausfällt, weil bei mehr Langzeitarbeitslosen der Optimismus wieder steigt“, sagte Bernard Baumohl von The Economic Outlook Group.

Die hartnäckig hohe Arbeitslosigkeit war neben der geringen Inflation ein Grund für die Fed, die geldpolitischen Zügel im November weiter zu lockern und eine zweite Runde in ihrem Staatsanleihenkaufprogramm zu starten. Die Käufe zielen darauf ab, die ohnehin niedrigen Zinsen weiter nach unten zu drücken und so die Nachfrage anzukurbeln. Allerdings kommt nur ein Teil des Geldes in der US-Wirtschaft an: Kritiker werfen der Fed vor, mit ihrer ultralockeren Politik den Zufluss von spekulativem Geld in Schwellenländer zu schüren.

Doch nicht nur die Notenbanker sorgen sich um die für US-Verhältnisse hartnäckig hohe Arbeitslosigkeit - sie kostete auch den Demokraten von Präsident Barack Obama bei der Kongresswahl Anfang November die Mehrheit im Repräsentantenhaus. Die Lage am Arbeitsmarkt könnte auch bei der Präsidentschaftswahl 2012 entscheidend dafür sein, ob Obama im Weißen Haus bleiben kann.

Im Kongress zeichnet sich nach dem Wahlsieg der Republikaner ein hartes Ringen um die künftige Politik ab. Vor allem die klammen Staatsfinanzen dürften Anlass für heftige Streitigkeiten geben. Aus Finanznot bauten die Kommunen im November 11 000 Stellen ab. Doch auch in der Industrie wurden 13 000 Arbeitsplätze gestrichen, im Bau waren es 5000 Stellen. Deutlich günstiger sieht es dagegen bei den Dienstleistern aus, die 65 000 neue Arbeitsplätze schufen.

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