Westdeutschland

Kaufkraft seit 20 Jahren unverändert

Arbeitnehmer in Westdeutschland können sich heute im Schnitt nicht mehr leisten als vor 20 Jahren. Aber auch die Kritik, dass durch den Euro alles teurer geworden sei, stimmt so nicht, so ein Institut.
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Damals wie heute soll eine Flasche Bier den Gegenwert von drei Arbeitsminuten erfordern. Quelle: dpa

Damals wie heute soll eine Flasche Bier den Gegenwert von drei Arbeitsminuten erfordern.

(Foto: dpa)

KölnDrei Minuten Arbeiten für eine Flasche Bier: Für westdeutsche Arbeitnehmer gilt das heute genauso wie vor 20 Jahren. Nach Angaben des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) sind Nettolöhne und Warenpreise seit 1991 im gleichen Verhältnis zueinander gestiegen.

Wie das Institut am Dienstag mitteilte, bekam 2011 ein Arbeitnehmer für die geleistete Arbeitsstunde netto 45 Prozent mehr Lohn als vor 20 Jahren. Die Warenpreise seien im selben Zeitraum um 43 Prozent geklettert. Arbeitnehmer müssen dementsprechend für einen identischen Warenkorb heute genauso lange arbeiten wie zu Beginn der 1990er Jahre.

Anders verhält es sich für ostdeutsche Arbeitnehmer. Bei ihnen sei die Kaufkraft in den vergangenen zwei Jahrzehnten um 21 Prozent gestiegen, sagte ein Institutssprecher. Seit der Wiedervereinigung hätten sich die Entgelte in Ostdeutschland fast verdoppelt, die Preise für Waren und Dienste seien um knapp 70 Prozent gestiegen - und damit weniger stark. Die Löhne und Gehälter seien im Osten aber immer noch deutlich niedriger als im Westen.

Lebensmittel hat der teils als „Teuro“ verschriene Euro laut der Studie nicht teurer gemacht. Eine Flasche Kölsch erfordere damals wie heute den Gegenwert von drei Arbeitsminuten an der Werkbank oder im Büro. Je nach Konsumverhalten seien Produkte auch günstiger geworden: Für ein Schweinekotelett reichten pro Kilo Fleisch statt 36 Minuten bereits 30 Minuten Arbeit.

Auch Alltagsgüter wie Kleidung seien durch einen vergleichsweise geringeren Preisanstieg schneller verdient als im Jahr 1991. Allein mit dem Benzinpreis konnten die Löhne und Gehälter nicht mithalten, wie das IW einräumt: Für eine Tankfüllung musste 2011 fast zwei Stunden länger gearbeitet werden als zwanzig Jahre zuvor.

  • dpa
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14 Kommentare zu "Westdeutschland: Kaufkraft seit 20 Jahren unverändert"

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  • Laß doch diesen ewig Gestrigen. Der hat doch nicht Hirn für 5 Pfennig.

  • Es wird noch schlimmer werden...und unser Erspartes fließt wie stets ungehindert nach Ossi Land, Zur Rettung der notleidenden Banken und aktuell zu den notleidenden PIIGS Staat. Und als I-Tüflelchen kaufen dir reicheren Griechen in Deutschland sichere Immobilien für ihre Euro und treiben die Preise so hoch, daß sich nicht einmal mehr der Mittelstand ein Häuschen leisten kann.
    Ich schäme mich ein Deutscher zu sein.

  • @ vandale: Ja, über die Umweltfreundlichkeit von Atomkraftwerken freuen sich die Menschen in der Region Chernobyl und Fukushima noch die nächsten Jahrtausende.

  • Abseits marxistischer Parolen mit denen sich einfache Geister offensichtlich helfen die Welt zu verstehen gab es in den vegangenen 20 Jahren folgende Entwicklungen:

    Die technische Produktivität ist um knapp 1% jährlich gestiegen. Die Internationalisierung und der € haben vermutlich weitere knapp 5-10% Produktivitätsgewinn erbracht. Das steigende Bildungsniveau könnte weitere 5 -10% Produktivität gebracht haben.

    Auf der anderen Seite kommen die Lasten der radikalfeministischen Ideologie mit einer zunehmenden Quote alter Mitbürger und der höheren Sozialtransferquote zum Tragen. Der staatliche Verteilungsapparat ist angewachsen.

    Zunehmend hemmende Vorschriften wie REACH, BIMSCH , Umweltverträglichkeitsprüfungen,Nachtflugverbote belasten die Inustrie.

    Die Oekoreligion kostet enorm viel Geld. Hierzu kann man den Oekokult der Mülltrennung und insbesondere die ökoreligiöe Vision zählen den Strom wie im Mittelalter mittels Windmühlen und der Verbrennung von Lebensmitteln (Bioenergie) zu gewinnen. Beispielsweise stellen die 350 Angestellten des umweltfreundlichen Kernkraftwerks Brokdorf soviel Strom her wie alle Solaranlagen Deutschlands, einer 60.000 MA starken Branche.

    Vandale

    PS: Zu den marxistischen Parolen...Der relative Kapitalertrag hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als halbiert. Die relativen Cash Flows der Unternehmen sind ziemlich konstant, lediglich die ausgewiesenen Gewinne haben sich durch neue Gewinnbewertungsvorschriften erhöht.

  • @anton
    "Jede Änderung von Steuern, Abgaben, Renten greift hier ein.
    Wir glauben den ganzen Mist nicht mehr!"

    Der Artikel verschweigt einen weiteren wichtigen Aspekt.
    In den erwähnten drei Minuten Arbeitszeit für eine Flasche Kölsch liefen die Rädchen vor zwanzig Jahren nämlich nur etwa ein Drittel so schnell wie heute. Jeder liefert heute also in jenen drei Arbeitsminuten die dreifache Leistung ab.

    Diese Mehrarbeit für gleiche Vergütung wurde selbst dort eingepreist, wo sich diese Verdreifachung des Trommeltakts wegen physikalischer oder medizinischer Obergrenzen nicht vollständig umsetzen ließ. In solchen Fällen wurde kurzerhand der Lohn so lange gekürzt, bis die höhere Produktivität ersatzweise durch Kosten-Effizienz per Sklavenlohn erreicht war.

    Um das Millenium herum ging's uns wohl allen noch gut.
    Bis trotz erbitterter Widerstände in der Bevölkerung Euroland gewaltsam aus der Taufe gehoben wurde.

    Es gibt übrigens glaubwürdige Studien die belegen, daß wir (i.S.v. "alle") den wirtschaftlichen Flächenbrand der Dotcom-Blase gerade einmal so zur Hälfte wiederaufgeforstet haben. Das ist jetzt etwa ein Jahrzehnt her. Danach kam der Lehman-Moment als weltweiter Schlag unter die Gürtellinie, die Schulden/Euro-Krise.

    Und nach jedem Wirtschafts-Winter wurde schrittweise der Trommeltakt erhöht. Gleiche Kaufkraft über zwei Jahrzehnte? Mitnichten!

  • nochmal als Anhang zum Erschrecken..von 480DM warm für 44 qm (bis 2003 240 Euro)auf 420 Euro also
    840 DM für 44qm,für jene welche noch umrechnen..:-)


  • Beispiel...GSW Mieterin,2003 verstorben..44qm in
    DM 480 warm..regulär umgestellt auf 240Euro..
    heute dieselbe Wohnung 420 Euro..
    Ein Bekannter von mir ist da eingezogen..Habs mir
    jetzt erst angeschaut..nicht eine Neuerung,weggefallen
    sind Hausreinigung und Waschhaus zur Nutzung für Mieter.
    Die Mieterin bis 2003 war mir beruflich anvertraut wegen Demenzerkrankung..deshalb kannte ich den einstigen
    Mietpreis..Aber so ergeht es vielen..Mieten ist unerschwinglich geworden..Artikel von gestern..in Berlin
    am Kottbusser Tor in Kreuzberg,wo überwiegend Migranten von Harz IV leben,machen sich Miethaie breit und vertreiben die ansässigen Bewohner..
    http://www.berliner-kurier.de/kiez-stadt/miete-mietwalze-ueberrollt-berlin-kottbusser-tor,7169128,16684952.html

  • Wieder ein Beitrag zur Volksverdummung! Durch Tricks bei der Inflationsberechnung kommen geschönte Werte heraus. (hedonische Preisbereinigung) Aussderdem konnte ich die höchste Kaufkraft um das Jahr 2000 feststellen, seit der Einführung des Euro ging es schnell bergab.
    Die Kaufkraft ändert sich übrigens ständig, die Überschrift ist absolut irreführend. Jede Änderung von Steuern, Abgaben, Renten greift hier ein.
    Wir glauben den ganzen Mist nicht mehr!

    "Dumm machen lassen wir uns nicht, wir wissen dass wir´s werden sollen" Gleim

  • Was fuer ein riesen Verlust,wo ist der(andere) Welt inzwischen gegangen...unglaublich

  • Parallel dazu die Untersuchung zum Vermögen in Steueroasen. Stellt man die Frage nach der Umverteilung, kommt sofort die "Neidkeule". Dazu fällt mir ein altes Plakat von Klaus Spaet ein: Arbeiter! die SPD möchte euch eure Villen wegnehmen.
    Niemand, selbst Marx nicht, spricht davon, das sich Arbeit, oder unternehmerische Wagnis nicht lohnen soll oder entsprechend honoriert wird. Die derzeitige exzessive Ungleichentwicklung von Arbeitseinkommen und Einkommen aus Vermögen jedoch, wird mittelfristig zu einer Gefahr für den sozialen Frieden.

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