Wettbewerb
Warum Australien beim Spritpreis kein gutes Vorbild ist

In Australien müssen Tankstellen ihre Benzinpreise einen Tag im Voraus ankündigen und können diese nicht einfach ändern. Doch das Modell hat seine Tücken - und erspart den Tankstellen nur die Beobachtung der Konkurrenz.
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Spritpreise sind ein Politikum. Immer wenn sie steigen, flammt eine Diskussion auf, wie man sie drücken könnte, indem man für mehr Wettbewerb zwischen den wenigen großen Tankstellenbetreibern sorgt, die den Markt dominieren. Aktuell im Gespräch ist das australische Modell. Dieses sieht vor, dass alle Tankstellen am Vorabend bei einer zentralen Stelle ihre Preise für den nächsten Tag anmelden müssen und diese erst wieder am darauf folgenden Tag ändern können.

Damit soll verhindert werden, dass die großen Tankstellenbetreiber ihre Preise koordinieren, indem alle die Preisführer beobachten und kopieren. Es hat sich nach Beobachtungen des Bundeskartellamts die Übung durchgesetzt, dass entweder Shell oder Aral mit Preisänderungen vorausgehen und die anderen nachziehen. Das würde schwieriger, so die Hoffnung, wenn man nicht am gleichen Tag auf die Konkurrenz reagieren kann. Wenn man am Folgetag nachzieht, könnte sich der Preis der Marktführer schon wieder geändert haben.

Die Hoffnung ist naiv. Eine Gruppe marktbeherrschender Unternehmen, die sich abstimmen will, weil sie so sehr viel Geld verdienen kann, wird Wege finden. Ganz simpel könnten die Unternehmen zum Beispiel mit der Wahl der Ziffer hinter dem Komma signalisieren, in welche Richtung und wie stark sie den Preis am nächsten Tag ändern wollen.

Die Anmelderegelung hätte sogar einen großen Vorteil für Wettbewerbsverhinderer. Sie müssten nicht mehr selbst die Konkurrenz beaufsichtigen und aufpassen, dass sich niemand durch zu billige Preise an unbeobachteten Tankstellen oder zu unbeobachteten Zeiten einen Vorteil verschafft. Die Durchsetzung der implizit vereinbarten Preise übernähme die Aufsichtsbehörde.

Wenn die Unternehmen nicht wirklich bereit sind, sich ernsthaft Konkurrenz zu machen – und dafür spricht vieles –, dann können solche Tricks eine wirksame Preisaufsicht nicht ersetzen. Und daran fehlt es. Sie wird im Wesentlichen den Verbraucherverbänden überlassen, und die sind auf diesem Markt praktisch chancenlos. Wie sollen sie missbräuchliche Preispolitik nachweisen, wenn man fast gleiche Preise, die sich schnell aneinander anpassen, ebenso gut als Zeichen hohen Wettbewerbs wie als Zeichen fehlenden Wettbewerbs deuten kann.

Eine Wettbewerbsaufsicht, die widerstandslos zugelassen hat, dass die Tankstellenbetreiber völlig synchron den Preis für das bei ihnen ungeliebte Normalbenzin auf den Preis von Super hochgezogen haben, um Normalbenzin dann abzuschaffen, ist erkennbar völlig zahnlos oder an der Herstellung von Wettbewerb nicht interessiert.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

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