Widersprüchliche Signale
Wie tief steckt die US-Wirtschaft in der Krise?

Neue Daten hätten Aufschluss über den Zustand der größten Volkswirtschaft der Welt geben sollen. Doch die Signale sind widersprüchlich. Während die US-Industrie unerwartet stark zulegt, fallen die Zahlen zum privaten Konsum enttäuschend aus. Entscheidend ist nun, wie die US-Notenbank reagiert.
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HB NEW YORK. Die US-Industrie hat im Oktober überraschend weiter an Fahrt gewonnen. Der an den Finanzmärkten viel beachtete Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager stieg auf 56,9 von 54,4 Punkten im Vormonat, wie das Institute for Supply Management (ISM) am Montag mitteilte. Experten hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf 54,0 Punkte gerechnet. Ab Werten von 50 Punkten wird Wachstum signalisiert. "Es ist klar, dass stärkeres Wachstum in Übersee und ein schwächerer US-Dollar bei der US-Industrie für einen deutlichen Schub gesorgt haben", sagte Zach Pandl von Nomura Securities in New York. Die Experten der DekaBank halten es dennoch für zu früh, das Ende der Konjunkturdelle auszurufen.

Die US-Notenbank entscheidet am Mittwochabend über ihre weitere Zinspolitik. Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass die Federal Reserve (Fed) ihren Kurs des billigen Geldes ausweitet: Die Fed wird wohl ankündigen, dass sie abermals die Notenpresse anwirft und für viele Mrd. Dollar Staatsanleihen kauft. Als Begründung dürfte die Jobmisere gelten. "Eine Steilvorlage für die Zentralbank könnte anders aussehen", erklärten deshalb die DekaBank-Analysten zu den überraschend positiven ISM-Daten. Denn unter anderem legte die Beschäftigungs-Komponente zu und signalisierte damit, dass die Industrie ihre Einstellungen beschleunigt.

Andererseits hemmt die Arbeitsmarktkrise weiter die Konsumlaune: Der private Verbrauch zog im September nur um 0,2 Prozent an, wie die US-Regierung mitteilte. Von Reuters befragte Experten hatten mit einer doppelt so hohen Steigerungsrate gerechnet. Im Vormonat hatten die Verbraucher nach revidierten Daten ihre Ausgaben noch um 0,5 Prozent erhöht.

Zugleich sanken die Einkommen im September um 0,1 Prozent. Dies ist der erste Rückgang seit 14 Monaten. Die Zahlen gelten als weitere Hiobsbotschaft für die US-Wirtschaftsleistung, die zu 70 Prozent vom Konsum getragen wird. Wie aus weiteren Daten hervorgeht, stiegen die Bauausgaben in den USA im September.

Die Verbraucher hatten in den Sommer-Monaten zum moderaten Wachstum der Wirtschaft beigetragen, indem sie 2,6 Prozent mehr ausgaben. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Juli bis September aufs Jahr hochgerechnet um zwei Prozent zu. Dies ist jedoch bei weitem nicht genug, um die für US-Verhältnisse relativ hohe Arbeitslosigkeit von knapp unter zehn Prozent abzubauen. Die Jobmisere hemmt zugleich die Kauflaune, zumal mittlerweile auch viele Amerikaner aus der Mittelschicht um ihren Arbeitsplatz bangen müssen. Vor dem Hintergrund der schlechten Lage auf dem Job-Markt droht der Demokratischen Partei von US-Präsident Barack Obama bei den Kongresswahlen am Dienstag eine kräftige Niederlage.

Kommentare zu " Widersprüchliche Signale: Wie tief steckt die US-Wirtschaft in der Krise?"

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  • "Vor dem Hintergrund der schlechten Lage auf dem Job-Markt droht der Demokratischen Partei von US-Präsident barack Obama bei den Kongresswahlen am Dienstag eine kräftige Niederlage."

    ich denke, man kann vor allem auch davon ausgehen, dass die immense Staatsverschuldung die Hauptschuld trägt, die durch seine Vorgänger eingeleitet wurde und durch Obama noch extrem zugenommen hat. Zudem betreibt er die gleiche bzw. noch eine deutlich schlimmere Außenpolitik als bush. Warum bekommt so ein Mann den Friedensnobelpreis?

    -> Ron Paul 2012
    http://www.youtube.com/watch?v=FG2PUZoukfA

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