Wie es dazu kam, dass Welteke sein Amt ruhen lässt
Chronik eines halben Rückzugs

Fünf lange Stunden wartet Bundesbankpräsident Ernst Welteke in seinem Büro. Fünf Stunden, in denen seine Vorstandskollegen im 14. Stock des Betonkastens der Bundesbank in Frankfurt über sein Schicksal beraten. Um kurz vor 17 Uhr ist alles vorbei. Der Vorstand bittet Welteke ins Sitzungszimmer, jetzt ist klar, für den 61-Jährigen ist eine höchst originelle Lösung gefunden worden.

FRANKFURT. Er lässt seinen Job mit dem heutigen Tag ruhen, bis die Vorwürfe gegen ihn aufgeklärt sind. Statt seiner wird Bundesbankvize Jürgen Stark mit der Wahrnehmung der Aufgaben der Bundesbank im EZB-Rat betraut.

Als die Mitteilung gegen 20 Uhr öffentlich wird, herrscht Verwunderung. Fast jeder der Journalisten und Fernsehteams vor dem Bundesbankgebäude hatte einen glatten Rücktritt erwartet.

Diese Zwischenlösung bedeutet für Welteke aber auch, dass er die Dauerkrise noch nicht hinter sich hat. Zu den sieben Tagen, an denen er fast im Stundenrhythmus zwischen Kampfeslust und Resignation schwankt, kommt nun eine unbestimmte Anzahl von neuen schweren Tagen hinzu.

Der Abstieg beginnt am vergangenen Donnerstag, als ein Fax eintrifft. Absender: das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, Inhalt sieben Fragen, die wichtigste: Stimmt es, dass sich Welteke Silvester 2001 anlässlich der Euro-Bargeldeinfühurng samt Familie vier Nächte auf Kosten der Dresdner Bank im Berliner Luxushotel Adlon einquartiert hat.

24 Stunden später, mittlerweile hat sich Welteke auf den Weg zum Treffen der europäischen Finanzminister und Notenbanker im irischen Punshestown gemacht, informiert das Berliner Finanzministerium Welteke über drei am 1. April eingegangene anonyme Briefe: aufgegeben in Frankfurt am Main, adressiert an Minister Hans Eichel, Staatssekretär Caio Koch-Weser und Abteilungsleiter Jörg Asmussen. Der Inhalt deckt sich mit den Vorwürfen des „Spiegels“.

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