Wiebes Weitwinkel
Konjunktur: Trügerische Schwalben

Wir laufen zurzeit Gefahr, jeden zartesten Impuls einer wirtschaftlichen Erholung gleich wieder abzuwürgen, ohne es rechtzeitig zu merken. Wir sollten uns über jede Schwalbe freuen, aber nicht dem Irrtum aufsitzten, sie kündige schon den Sommer an. Wir stecken noch im tiefsten Winter.

Wir laufen zurzeit Gefahr, jeden zartesten Impuls einer wirtschaftlichen Erholung gleich wieder abzuwürgen, ohne es rechtzeitig zu merken. Wir sollten uns über jede Schwalbe freuen, aber nicht dem Irrtum aufsitzten, sie kündige schon den Sommer an. Wir stecken noch im tiefsten Winter.

Nach meiner Einschätzung sind wir in der Politik, aber auch in der Öffentlichkeit und ganz bestimmt an der Börse in einer ganz gefährlichen Weise mental der realen Entwicklung viel zu weit voraus. Wir diskutieren jetzt schon am liebsten über die Probleme nach der Krise. Dabei stecken wir noch mitten in der Krise drin. Die größte Gefahr, die von unserem Bankensystem ausgeht, sind nicht die Risiken, die der Staat den Banken abnimmt – er tut das ja ohnehin sehr zurückhaltend. Sondern die größte Gefahr ist, dass die Banken nicht genügend Kredit zur Verfügung stellen, wenn die ersten Unternehmen wieder bereit sind zu investieren. Der Mangel an Liquidität ist viel gefährlicher als eine mögliche Inflation. Die größte Gefahr für den Staatshaushalt sind der Einbruch der Wirtschaft und des Steueraufkommens und eine mögliche Stagnation. Es sind nicht die Staatshilfen für einzelne Unternehmen, so problematisch sie im Einzelfall auch sein mögen.

Ein Aufschwung kann stocken, weil er mit einem nicht funktionierenden Bankensystem nicht zu finanzieren ist. Wir haben zwar unser Finanzsystem vor dem Absturz gerettet, aber das darf nicht den Eindruck erwecken, als würde es wieder voll funktionieren. Letztlich stecken alle Probleme noch ungelöst in den Bankbilanzen, auch die vorgeschlagenen „Bad-Bank-Konzepte“ helfen da nicht weiter.

Man kann einen Aufschwung auch dadurch abwürgen, dass man zu schnell der Krise hinterhersparen will und zu ängstlich Liquidität aus dem Markt saugt, um eine Inflation zu verhindern. Wenn das passiert, dann machen wir dieselben Fehler, wie sie in der großen Depression der 30er-Jahre gemacht wurden – nur mit Verspätung und weniger heftig.

So laufen wir Gefahr, Opfer unserer soliden, lobenswerten politischen Instinkte zu werden. Diese Instinkte weisen außerhalb von Krisenzeiten den richtigen Weg. Aber es ist gefährlich, sich per Wunschdenken schon mental in die Phase nach der Krise zu katapultieren aus dieser Perspektive heraus Politik zu machen.

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