Wieder im Plus: China erwirtschaftet Außenhandelsüberschuss

Wieder im Plus
China erwirtschaftet Außenhandelsüberschuss

Nach einem negativen Ergebnis im Februar hat China wieder einen Außenhandelsüberschuss von rund vier Milliarden Euro erwirtschaftet. Aber es gibt auch negative Nachrichten.
  • 0

PekingBeflügelt von kräftig steigenden Exporten hat China im März überraschend wieder einen Handelsüberschuss eingefahren. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt hat damit ihre jüngste Schwächephase unerwartet rasch überwunden, wie der Blick auf die am Dienstag vorgelegten Handelszahlen zeigt. Insgesamt überstiegen die Ausfuhren die Einfuhren um 5,35 Milliarden Dollar, wie der Zoll mitteilte. Experten rieben sich verwundert die Augen, da sie ein Außenhandelsdefizit erwartet hatten. Zugleich machte sich an den Börsen Enttäuschung breit, da die chinesische Binnenkonjunktur nicht wie erhofft durchstartet.

Händler hatten zunächst auf positive Konjunktursignale aus China gesetzt, diese fielen aber teilweise schwächer aus. Vor allem die Nachfrage in China bereitete Sorgen. Der größte Abnehmer von Rohstoffen importierte im März lediglich 5,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Experten waren von neun Prozent mehr Einfuhren ausgegangen. Die Exporte Chinas zogen mit 8,9 Prozent weit stärker an als die Einfuhren. Die Ausfuhren in die wirtschaftlich wiedererstarkten USA zogen gar um satte 10,4 Prozent an, während die Lieferungen in das von der Schuldenkrise geplagte Europa um 3,1 Prozent nachgaben. „Die Daten belegen, dass sich die Weltwirtschaft erholt, wenn auch langsam“, meint Ökonom Zhou Hao von der ANZ Bank in Shanghai.

Im Februar war angesichts massiv gestiegener Importe noch ein Handelsdefizit von 31,5 Milliarden Dollar angefallen. Bei näherem Hinsehen decken die Februar-Zahlen jedoch die Schwachstellen der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt auf: „Bedenklich stimmt das schwache chinesische Importwachstum. Es belegt eine an Dynamik verlierende Binnenkonjunktur“, warnt Ökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank. Diese Entwicklung dürfte der kommunistischen Führung in Peking Sorgen bereiten, da sie die Exportlastigkeit der Wirtschaft durch ein Ankurbeln der Binnenkonjunktur verringern möchte. Insbesondere die soziale Kluft zwischen den prosperierenden Industrie- und Finanzzentren an der Küste und den zurückgebliebenen Provinzen im Landesinnern soll verringert werden.

China-Experte Dariusz Kowalczyk von Credit Agricole rechnet damit, dass der Außenhandel trotz des Schwächeanfalls zu Jahresbeginn im ersten Quartal einen positiven Beitrag zum Wirtschaftswachstum beisteuern wird. Der von Analysten erwartete BIP-Zuwachs von 8,4 Prozent zum Vorjahr könnte sich nach Ansicht der VP-Ökonomen dennoch „als zu optimistisch entpuppen“. Voriges Jahr hatte der Außenhandel das Wachstum noch gebremst - mit plus 9,2 Prozent erzeugte die erfolgsverwöhnte chinesische Wirtschaft das niedrigste Plus beim Bruttoinlandsprodukt seit 2009. Sollte der jüngste Trend anhalten, dass die Wachstumszahlen von Quartal zu Quartal magerer ausfallen, wird Chinas Wirtschaftsleistung dieses Jahr wohl so schwach zulegen wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Trotz dieser deutlichen Abkühlungstendenzen sehen die deutschen Exporteure ihre Zukunft weiter in Asien. Wir gehören zu den größten Profiteuren des Asienbooms und wachsen im Windschatten des asiatischen Wachstums“, sagte Außenhandelspräsident Anton Börner in Berlin. Während Europa als Absatzmarkt an Bedeutung verliere, werde Asien in dieser Hinsicht immer wichtiger, betonte der Chef des Branchenverbandes BGA: „Setzt sich dieser Trend mit dem derzeitigen Tempo fort, wird sich in den nächsten 30 Jahren die Bedeutung Europas und Asiens für die deutsche Wirtschaft immer weiter angleichen und um das Jahr 2040 schließlich gleich bedeutend sein.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Wieder im Plus: China erwirtschaftet Außenhandelsüberschuss"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%