Willem Buiter: US-Zinswende laut Citigroup-Chefökonom Ende 2015

Willem Buiter
US-Zinswende laut Citigroup-Chefökonom Ende 2015

Experten erwarten, dass die US-Notenbank im Juni die Leitzinsen erhöht. Citigroup-Chefökonom Willem Buiter ist da anderer Meinung. Im Streit zwischen Athen und EU fordert er, dass weniger öffentlich gestritten wird.
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New YorkNach vorherrschender Meinung erhöht die US-Notenbank im Juni die Leitzinsen. Doch dazu wird es nach Einschätzung der Citigroup nicht kommen. „Nach unserer Prognose kommt die Erhöhung im Dezember“, sagte der Chefökonom der US-Bank, Willem Buiter, im Interview mit dem Handelsblatt (Mittwochausgabe).

Die US-Wirtschaft erhole sich langsamer als erwartet: Die Investitionen der Unternehmen würden kaum anspringen, der Arbeitsmarkt sei in einem schlechteren Zustand als es den Anschein habe und der starke Dollar bremse die Unternehmensgewinne, sagte Buiter. Langfristig würden die USA bei „zwei Prozent Inflation, bei 3,5 Prozent für die Notenbank-Zinsen und vier Prozent für die Staatsanleihen landen“.

Im Streit zwischen Griechenland und der EU forderte Buiter, dass „beide Seiten weniger in der Öffentlichkeit“ reden sollten. Eine Einigung sei möglich, die Positionen würden „nur wenig auseinanderliegen“.

Als Kompromiss zu einem Schuldenschnitt schlug der 65-Jährige eine Umschuldung in einen Zero-Coupon-Bond um, um die „momentane Belastung“ für Griechenland durch den Verzicht auf Zinszahlungen abzumildern.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York

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  • Die City Group hat ja eigentümliche Vorstellungen.
    Wie hoch sollte denn der Notenbankzins vor den Präsidentschaftswahlen im November 2016 und vor der Amtseinführung des neuen Präsidenten steigen? Meint die City Group wirklich, dass der neue Präsident dann 800 Milliarden Dollar Zinsen jährlich für die Staatsschulden der USA zahlen will? Was sollte das denn für die Investitionen bedeuten, wenn man mit Staatsanleihen schon 4 Prozent verdienen kann? Wer sollte denn dann sein Geld in den Aufbau von neuen Kapazitäten riskieren? Dazu käme dann noch, dass Industrie- und Dienstleistungsinvestitionen auf Kredit viel höhere Zinsen kosten. Die Investitionen sind bei Nullzins schon schwach und sinken in der Öl- und Gasindustrie. Das wird die Fed sicher im Auge behalten. Bis Januar 2017 wird der Zentralbankzins kaum über ein Prozent steigen. Das sind dann maximal 0,25 Prozent in 2 Quartalen. So kann man das "Vorsichtig" interpretieren. Erst nach 100 Tagen der neuen Regierung bestünde dann eine Zinserhöhung auf 1,25 Prozent im Mai oder Juni 2017.Bis dahin könnte auch die EZB den Leitzins wieder auf 0,5 Prozent steigern. Das dürfte dann auch die Dollarstärke in Grenzen halten.
    Europa hat also 9 Quartale Zeit, seine Wirtschaft und Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen. Das haben die Deutschen alles schon hinter sich. Die werden deshalb die größten Profiteure sein. Die deutsche Dominanz in der EU und Eurozone wird noch drückender. Müsste das auf die Partnerstaaten disziplinierend wirken? Wir werden ja sehen.

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