Wirtschaft im dritten Quartal nur um 0,1 Prozent gewachsen
Wachstum im Sommer fast gestoppt

Die deutsche Wirtschaft ist im dritten Quartal 2004 real um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg das Bruttoinlandsprodukt um 1,3 Prozent. Das teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit.

HB BERLIN. Das Abflauen des Exportbooms hat die Erholung der deutschen Wirtschaft im Sommer überraschend fast völlig zum Erliegen gebracht. Volkswirte werteten den Anstieg der Wirtschaftsleistung um lediglich 0,1 % wie die Bundesregierung jedoch nur als Delle in der Konjunkturerholung.

„Ausschlaggebend für das schwache Wirtschaftswachstum im dritten Quartal 2004 gegenüber dem Vorquartal waren - anders als in den vier vorangegangenen Quartalen - rückläufige Exporte“, erläuterte das Statistische Bundesamt am Donnerstag. Dagegen hätten die deutschen Unternehmen wieder mehr investiert. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sah darin Grund zur Zuversicht: „In Verbindung mit den Reformen der Bundesregierung ist damit der Weg für eine stärker binnenwirtschaftlich getragene Erholung frei.“

Ökonomen zeigten sich vom Ausmaß der Wachstumsverlangsamung überrascht, warnten aber vor übertriebenem Pessimismus. „Die Erholung ist ins Stottern gekommen“, sagte Thomas Hueck von der HypoVereinsbank. „In der Zukunft lauern zwar gewisse Risiken, aber ich glaube nicht an eine Rezession.“ Auch Bundesbank-Vizepräsident Jürgen Stark vermutete nur eine vorübergehende Abschwächung. Der hohe Ölpreis habe Wirkung gezeigt, sei inzwischen aber wieder gesunken.

Analysten hatten für das dritte Quartal einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,3 % erwartet. Das Statistikamt revidierte allerdings zudem das Wachstum im zweiten Quartal auf 0,4 von zuvor gemeldeten 0,5 % herunter. Im Vergleich mit dem dritten Quartal des vergangenen Jahres stieg die deutsche Wirtschaftsleistung um 1,3 % nach revidiert 1,9 % im zweiten. Da das dritte Quartal genauso viele Arbeitstage wie im Vorjahr hatte, verzeichnete das Statistikamt anders als in den beiden ersten Vierteljahren keinen positiven Kalendereffekt.

Nachdem der Funke vom boomenden Export bislang nicht auf die heimische Nachfrage übergesprungen war, zeigte im Sommer die Binnenwirtschaft zumindest erste Lebenszeichen. „Positive Wachstumsimpulse kamen dagegen von der starken Zunahme der inländischen Verwendung, die vor allem auf kräftig gestiegene Ausrüstungsinvestitionen und einen starken Vorratsaufbau zurückzuführen ist“, erklärten die Statistiker mit Blick auf das Wachstum zum Vorquartal. Volkswirte warnten davor, bereits die Trendwende bei den Investitionen auszurufen. „Das sind wohl vor allem Nachholeffekte, also Ersatzinvestitionen“, sagte Harald Jörg von der Dresdner Bank. Der private Konsum dürfte nur wenig gestiegen sein. Details zum BIP im dritten Quartal gibt das Statistische Bundesamt am 23. November bekannt.

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