"Wirtschaft knickt im Lauf des Jahres ein"
Verhaltene Konjunktur-Aussicht für 2005

Nach den Worten von Bundesbank-Präsident Axel Weber war im ersten Quartal 2005 die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland erfolgreich, im Laufe des Jahres dürfte sie aber wieder an Schwung verlieren.

HB KÖLN. „Die Konjunktur in Deutschland ist durch globale Exportdynamik getrieben. Das erste Quartal dürfte sehr erfolgreich gelaufen sein, über den Rest des Jahres dürfte sich die wirtschaftliche Dynamik abschwächen“, sagte Weber am Mittwoch bei einem Vortrag an der Universität Köln. Die Bundesbank bleibe bei ihrer Wachstumsprognose von einem Prozent für dieses Jahr, in Rohdaten seien dies 0,8 %. Die Daten zum Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal werden am Donnerstag veröffentlicht. Analysten erwarten nach dem leichten Rückgang Ende 2004 im Schnitt ein Plus von 0,5 % zum Vorquartal, diese Zahl hatte auch Weber kürzlich genannt.

Das Problem der deutschen Wirtschaft sei die Schwäche der Binnennachfrage. Der Reformprozess führe zu steigenden Ersparnissen und dämpfe den Konsum. Die bereits niedrigen Zinsen behinderten die Investitionen nicht. Um Investitionshemmnisse zu überwinden, brauchten die Unternehmen mehr Planungssicherheit. „Dann sehe ich auch langfristig Wachstumspotenzial in Deutschland“, sagte Weber.

Bundesbank-Vizepräsident Jürgen Stark zufolge dürfte Deutschland zudem in diesem und im nächsten Jahr wahrscheinlich die Defizitobergrenze des europäischen Stabilitätspakts erneut verfehlen. „2005 und 2006 ist ein erneutes Überschreiten des Drei-Prozent-Limits wahrscheinlich, zumindest ist die Einhaltung der Obergrenze nicht gesichert“, heißt es in einem Thesenpapier zu einer Rede, die Stark am Mittwochabend in Berlin hielt. Er bekräftigte die Position der Bundesbank, dass die öffentlichen Finanzen in Deutschland in einer Krise seien. Deutschland hatte die Defizitobergrenze von drei Prozent seines Bruttoinlandsprodukts in den vergangenen Jahren drei Mal in Folge verfehlt.

Als moderat beschrieb das EZB-Ratsmitglied Weber auch die Konjunktur im Euro-Raum und wiederholte die vom März datierende Prognose des EZB-Stabes von 1,2 bis 2,0 % Wachstum 2005. „Wir haben in letzter Zeit bei den Stimmungsindikatoren eine leichte Eintrübung, aber das grundlegende Bild einer moderaten Wirtschaftserholung wird intakt bleiben.“ Analysten erwarten, dass Eurostat am Donnerstag mit seiner Schnellschätzung ebenfalls ein Quartalswachstum von 0,5 % melden wird.

Sorgen über die Inflation muss sich die Europäische Zentralbank (EZB) Weber zufolge erst auf mittlere bis längere Sicht machen. „Wir sehen derzeit keinen binnenwirtschaftlichen Preisauftrieb, wir sehen eher eine Schwäche der Binnennachfrage“, sagte er mit Blick auf Deutschland. Von den historisch niedrigen Zinsen und dem starken Geldmengenwachstum könne Inflationsdruck ausgehen, wenn auch erst mittel- bis langfristig. „Wenn die Liquidität in den Konsum fließt, kann ein gewisses Inflationspotenzial entstehen.“ Der EZB-Rat müsse die genau betrachten und rechtzeitig mit höheren Zinsen gegensteuern. Doch diese Gefahr müsse sich erst realisieren. Derzeit nehme die EZB eine abwartende Haltung ein.

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