Wirtschaft schrumpft
Arbeitslosigkeit macht Spanien stark zu schaffen

Die wirtschaftliche Talfahrt in Spanien hat sich deutlich beschleunigt. Ursache ist vor allem der Einbruch des privaten Konsums, der besonders durch die starke Zunahme der Arbeitslosenrate beeinträchtigt wird. Zwar wird die spanische Wirtschaftsleistung voraussichtlich besser abschneiden als der EU-Durchschnitt - doch dürften die Südeuropäer als eines der letzten Länder aus der Rezession herauskommen.

MADRID. In den ersten drei Monaten dieses Jahres sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach vorläufigen Zahlen des Nationalen Statistikinstituts Ine um 1,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Im letzten Vierteljahr 2008 war die Wirtschaftsleistung um ein Prozent eingebrochen. Spaniens BIP sinkt inzwischen bereits drei Quartale in Folge. Der jüngste Rückgang ist das größte Minus seit 1970, als Ine die Daten erstmals erhob.

Im Jahresvergleich fiel das BIP von Januar bis März um 2,9 Prozent, gegenüber 0,7 Prozent im Vorquartal. Die vorläufigen Ine-Zahlen stimmen exakt mit den Berechnungen der spanischen Zentralbank in ihrem jüngsten Wirtschaftsbericht überein.

Ursache für die schlechten Werte ist vor allem der Einbruch des privaten Konsums, der wiederum vor allem durch die starke Zunahme der Arbeitslosenrate auf mehr als 17 Prozent Ende März beeinträchtigt wird. Die Nachfrage der Familien fiel nach Informationen der Zentralbank im ersten Quartal um 3,3 Prozent, der Binnenkonsum insgesamt um 4,9 Prozent.

Da die Importe sehr viel stärker sinken als die Exporte, war Spaniens Außenbeitrag im ersten Quartal positiv. Doch „der negative Beitrag der Binnennachfrage konnte nur teilweise durch die positive externe Nachfrage ausgeglichen werden“, heißt es beim Statistikamt.

Im Zuge des schmerzhaften Anpassungs- und Entschuldungsprozesses, den Spanien derzeit durchlebt, kehren sich die wirtschaftlichen Triebfedern um: In der letzten Dekade war der Binnenkonsum der wichtigste Motor der Wirtschaft, und der negative Außenbeitrag sorgte für ein gigantisches Leistungsbilanzdefizit von zuletzt zehn Prozent. Nun aber sinkt das Defizit rasant und wird zum Jahresende nach Schätzungen des Wirtschaftsministeriums wohl 6,5 Prozent erreicht haben.

Ein ganz neues Bild zeigt sich auch bei der Inflation. Lag die Preissteigerung in Spanien in den vergangenen Jahren im Schnitt einen Prozentpunkt über dem Durchschnitt der Euroländer, so fiel die Inflation im April mit minus 0,2 Prozent zum zweiten Mal in Folge negativ aus, was vor allem an den gesunkenen Ölpreisen, aber auch an der schwachen Nachfrage liegt. Spanien liegt damit nun etwa 0,7 Prozentpunkte unterhalb des Euro-Raum-Durchschnitts.

Für das Gesamtjahr rechnet die Europäische Kommission derzeit mit einem Rückgang der spanischen Wirtschaftsleistung um 3,2 Prozent. Damit werden die Spanier voraussichtlich besser abschneiden als der EU-Durchschnitt. Doch dürfte Spanien nach Meinung der Brüsseler Behörde als eines der letzten Länder aus der Rezession herauskommen und noch bis zum vierten Quartal 2010 ein Schrumpfen der Wirtschaft verzeichnen. Die Arbeitslosenrate könnte dann auf mehr als 20 Prozent anschwellen.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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