Wirtschaft und die Hitze
Bis an die Schmerzgrenze

Die anhaltende Hitzewelle belastet nicht nur den Körper und die menschliche Psyche, sondern hinterlässt auch Spuren in der deutschen Wirtschaft. Einzelne Unternehmen profitieren, andere werden stark in Mittleidenschaft gezogen. Besonders den Managern einer Branche treiben die extremen Temperaturen Schweißperlen auf die Stirn. Die Konsequenzen tragen die Kunden.

ari / juf / ire / hof / fk BERLIN. Deutschland schwitzt. Am Oberrhein soll das Thermometer am heutigen Mittwoch bis auf 38 Grad steigen. Der bisherige Temperaturrekord von 40,2 Grad - zuletzt am 13. August 2003 gemessen - rückt in greifbare Nähe. Die Hitzewelle hat nicht nur Auswirkungen auf die Psyche der Menschen, sie hinterlässt auch Spuren in der Wirtschaft. Zwar sind temperaturbedingte Auffälligkeiten für die Gesamtwirtschaft nach Einschätzung des Münchener Ifo-Instituts kaum festzustellen. Das zeigte der letzte Supersommer 2003. Doch einzelne Branchen können stark in Mitleidenschaft gezogen werden oder profitieren.

"Offensichtlich ist es so, dass große Hitze bei manchen Branchen zur Produktionsausweitung führt, bei anderen aber zu Produktionsrückgängen, der Nettoeffekt scheint deshalb klein zu sein", sagt Ifo-Konjunkturchef Gebhard Flaig dem Handelsblatt. Spürbare Auswirkungen für einzelne Unternehmen oder Branchen seien gesamtwirtschaftlich für eine so große diversifizierte und international ausgerichtete Volkswirtschaft wie Deutschland unter Konjunktur- und Wachstumsaspekten im Allgemeinen bedeutungslos, sagt Flaig. Dies bestätigen die Fachleute für die volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen beim Statistischen Bundesamt.

Die ungewöhnlich lange Hitzeperiode treibt den Managern der Stromkonzerne die Schweißperlen auf die Stirn. Klimaanlagen und Ventilatoren erhöhen den Stromverbrauch deutlich. Gleichzeitig drosseln aber viele Atomkraftwerke ihre Leistung - auch in Deutschland.

Die Kraftwerksbetreiber müssen bei den Rekordtemperaturen Rücksicht auf Fische, Krebse und Frösche nehmen. Durch die Rekordtemperaturen haben sich die Flüsse, aus denen die Anlagen ihr Kühlwasser entnehmen, deutlich erwärmt - in der Elbe etwa ist das Thermometer bereits auf 27 Grad geklettert. Die Kraftwerksbetreiber dürfen bei der Rückgabe des Kühlwassers aber bestimmte Grenzwerte nicht überschreiten, um das Ökosystem nicht zu gefährden.

Vattenfall Europe etwa hat die Leistung seiner Atomkraftwerke Krümel und Brunsbüttel, die an der Elbe liegen, deutlich heruntergefahren, weil das Abwasser nicht wärmer als 30 Grad sein darf. Betroffen sind nicht nur Atomkraftwerke, sondern auch Gas- und Kohleanlagen, die über keinen eigenen Kühlturm verfügen. Mit Sondergenehmigungen wollen die Versorger ihre Leistung allerdings wieder steigern.

Angst vor einem Blackout müssten die deutschen Stromkunden aber nicht haben, versichert der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW). Die deutschen Versorger verfügten über genügend Kapazitäten, um die hitzebedingten Ausfälle auffangen zu können. In Südeuropa sind die Sorgen da schon größer. Die Italiener etwa mussten vor drei Jahren wegen eines flächendeckenden Stromausfalls stundenlang im Dunkeln sitzen.

Spüren werden die deutschen Verbraucher die Hitze und die Produktionsausfälle aber demnächst an ihren Stromrechnungen. Mit steigenden Temperaturen klettern an den Börsen auch die ohnehin hohen Strompreise weiter nach oben.

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