Wirtschaftliche Folgen Japan-Katastrophe schürt Angst vor Domino-Effekt

Erst dämpften Experten die Angst vor einem weltweiten Konjunkturrückschlag. Doch jetzt, wo die Lage in Japan immer hoffnungsloser wird, wächst die Sorge vor den wirtschaftlichen Folgen der Atom-Katastrophe.
Update: 17.03.2011 - 12:59 Uhr 4 Kommentare
Ein Hafen in Tokio: Angst vor dem Crash wächst. Quelle: dpa

Ein Hafen in Tokio: Angst vor dem Crash wächst.

(Foto: dpa)

MünchenLieferausfälle in Japan könnten nach Ansicht des Präsidenten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) auch für andere Länder schnell zum Problem werden. "Es bedeutet einiges, wenn Chips aus Japan ausfallen", sagte Dennis Snower der "Süddeutschen Zeitung". "Es könnte zu Domino-Effekten kommen, die den gesamten asiatischen Raum erfassen. Und damit auch Autokonzerne und Computerfirmen auf anderen Kontinenten", warnte er.

Die Frage sei, "wie robust diese Lieferketten sind". Viele Konzerne klagten bereits darüber, dass die Lieferströme immer dünner würden. "Es gibt möglicherweise weltweit viel weniger Zulieferer als vor zehn Jahren." Mit Blick auf die Weltwirtschaft sieht Snower jetzt vor allem andere Staaten in der Pflicht: "Es muss andere Länder geben, die in dieser Lage stabilisieren, Schwellenländer wie China." Die Dynamik gehe von ihnen aus.

Auch nach Einschätzung der Wirtschaftsexperten der Schweizer Regierung könnte die Atom-Krise das Wachstum der Weltwirtschaft beeinträchtigen. Das Erdbeben allein und seine Folgeschäden dürften für die weltweite Wirtschaft keine ins Gewicht fallenden Folgen haben, hieß es am Donnerstag in der Konjunkturprognose des Schweizer Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco). Falls es zu einer atomaren Katastrophe komme, müsse Japan mit einer massiven und länger dauernden Wirtschaftskrise rechnen. Dann wäre nach Ansicht der Experten zu befürchten, dass die internationalen Produktionsprozesse stark beeinträchtigt würden.

Die internationalen Finanzmärkte könnten durch eine erhöhte Verunsicherung negativ betroffen werden. Das wiederum könnte angesichts der nach wie vor angeschlagenen finanziellen Verfassung gewisser Finanzinstitute auch auf die realwirtschaftliche Entwicklung ausstrahlen, hieß es in der vierteljährlichen Konjunktureinschätzung des Seco.

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4 Kommentare zu "Wirtschaftliche Folgen: Japan-Katastrophe schürt Angst vor Domino-Effekt"

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  • Ich habe es grade bei einem anderen Artikel geschrieben. Dieser Vorfall in Japan, sollte unsre Wirtschaft zum Umdenken zwingen. Wer ganze Prodkuktionen ins Ausland verlagert, nur um ein paar Euro zu sparen, spielt mit dem Standort Deutschland wie wir jetzt sehen.
    Wer keine Lgerhaltung mehr hat, sodnern diese4 auf die Autobahn verlagert, hat in Krisenzeiten natürlich keine Reserven
    Wir hätten viele Probleme nicht, wie Zusammenbruch des Binnemarktes, Arbeitslosigkeit etc., wenn wir wieder hauptsächlich hier produzieren und zum Wohlstand des Landes beitragen.
    Die Gier muß beendet werden.
    Vielleicht sollten unsre Gier-Manager das jetzt mal als Cäsur ansehen.
    Selbstverständlich kann man Zweigbetreie im ausland haben, das gab es schon vor dem 2. WK, aber nicht wie heute, alles verlagern und hier gar nicht merh produzieren

  • Die Weltwirtschaft ist heute hochgradig vernetzt und Japan ist mitten drin. Das ist ein grosser Unterschied zu Tschernobyl. Wenn in Japan die Produktion zu erliegen kommt und dass ist momentan der Fall, dann kommt es auch zu erheblichen Auswirkungen auf die restliche Weltwirtschaft. Japanische Teile sind in sehr vielen Produkten und können erst einmal nicht ersetzt werden. Als ersten wird es die Lean Production Produktionen treffen (z.B. Automobilindustrie). Wer sein Lager auf die Strasse verlegt hat, wird jetzt eine lange Strasse brauchen. In der Automobilproduktion sind ab nächster Woche grössere Produktionsausfälle weltweit zu erwarten. Ich habe schon am Wochenende meinen Augen nicht getraut als behauptet wurde, dies hätte auf die Weltwirtschaft keine Auswirkungen. Entweder diese Behauptung stammt von einer Koalition der Willigen oder einer Koalition der Ahnungslosen. Beides ist schlimm aber ich befürchte das Letztere.

  • "Zentralbank eingreifen und Teile ihrer Dollarreserven auf den Markt werfen, um den Höhenflug des Yen zu bremsen"

    wieso bremst man den Yen, wenn man U$ verkauft? Ihr Redakteur hat ein eigenartiges Verständnis von Wirtschaft!

  • Wenn man die Sache realistisch sehen will, dann ist wohl davon auszugehen, dass der durch das Erdbeben in Fukushima in Gang gesetzte Prozess bisher nicht gestoppt werden konnte und es beim gegenwärtigen Stand offenbar auch nicht mehr viel zu stoppen gibt. Die Aktivitäten vor Ort tragen zur Beruhigung und zur Gesichtswahrung bei, können aber nichts mehr ungeschehen machen. Radioaktivität wird frei und offensichtlich in erheblichem Umfang. Die nukleare Katastrophe ist keine Eventualität mehr. Sie ist bereits eingetreten. Man muss sich deswegen fragen, wie weitreichend die Konsequenzen sein werden. Dass Finanzmärkte und Weltwirtschaft betroffen sein werden, ist hingegen keine Frage mehr.

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