Wirtschaftsausblick
IWF prophezeit Deutschland ein dickes Minus

Tiefe Rezession: Nach einer Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um 5,6 Prozent schrumpfen. Und während der IWF für 2010 weltweit wieder mit einem Wachstum rechnet, geht er für Deutschland von einem weiteren Rückgang der Wirtschaftsleistung aus. Kanzlerin Angela Merkel sprach von einem „schweren Wirtschaftseinbruch“.

HB WASHINGTON/BERLIN. Der IWF sieht die globale Konjunktur in der tiefsten Rezession seit der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre. In diesem Jahr dürfte die wirtschaftliche Gesamtleistung der Welt um 1,3 Prozent nachgeben, das wäre das erste Minus seit Jahrzehnten, wie der Fonds in seinem am Mittwoch veröffentlichen Weltwirtschaftsausblick voraussagt. In Deutschland falle der Rückgang mit 5,6 Prozent deutlich stärker aus. Auch die USA werde mit 2,8 Prozent tief im Minus landen.

Damit ist der Fonds deutlich pessimistischer als noch im März, als er ein Minus von lediglich 0,5 bis 1,0 Prozent für die weltweite Wirtschaft und für die USA ein Schrumpfen von 2,6 Prozent vorhergesagt hatte.

Für die Industrieländer insgesamt errechnete der Fonds einen Rückgang von 3,8 Prozent, für die Euro-Zone ein Minus von 4,2 Prozent im laufenden Jahr.

2010 wird es dem Fonds zufolge für die Weltwirtschaft mit einem Plus von 1,9 Prozent schon wieder besser aussehen. Wichtig für die Trendwende sei aber, dass die zuständigen Behörden entschiedene Schritte unternehmen, um das Vertrauen an den Finanzmärkten wiederherzustellen. Die Industrieländer insgesamt wie auch die USA würden bei einer Null landen. Deutschland dagegen werde mit 1,0 Prozent in der Minus-Zone verharren, wie auch die Euro-Zone insgesamt mit 0,4 Prozent.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach angesichts der düsteren Wachstumsprognosen des IWF und der Zahlen der Wirtschaftsforschungsinstitute von einem „schweren Wirtschaftseinbruch“. Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute gehen in ihrem Frühjahrsgutachten, das dem Handelsblatt vorliegt, von minus sechs Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes im Jahr 2009 aus. Die Bundesregierung rechnet für dieses Jahr mit einem Einbruch bei der Wirtschaftsleistung in einer Größenordnung, wie sie der Internationale Währungsfonds unterstellt. Das machten Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) am Mittwoch in Berlin deutlich. Steinbrück sagte, eine Fünf vor dem Komma halte er inzwischen „nicht für unwahrscheinlich“. Die neue Prognose wird die Regierung am 29. April vorlegen. Sie ist Grundlage für die neue Steuerschätzung. Experten gehen von einem deutlichen Einbruch der Steuereinnahmen aus. In ihrer jetzigen Prognose geht die Bundesregierung noch von minus 2,25 Prozent aus.

Ähnlich wie Wirtschaftsminister zu Guttenberg und Steinbrück lehnte Merkel ein drittes Konjunkturpaket ab. Die bisherigen Maßnahmen der Regierung seien richtig gewesen, würden jetzt zu greifen beginnen und würden auch im Ausland mit Respekt zur Kenntnis genommen.

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