Wirtschaftsausblick
OECD hebt Prognose für Deutschland deutlich an

Der Wachstumseinbruch ist vorüber: Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und die Bundesbank bewerten die globale konjunkturelle Entwicklung bis 2011 wieder optimistischer. Auch das Ifo-Weltwirtschaftsklima hat sich deutlich verbessert. Deutschland kommt demnach gar nicht so schlecht weg. Doch die Zeche zahlen die Arbeitnehmer.
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HB PARIS/BERLIN/MÜNCHEN. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hob die Wachstumsprognosen für viele wichtige Industrienationen wie die USA, den Euroraum und Japan leicht an. Das teilte die OECD am Donnerstag in Paris mit. Zwar rechnet die Organisation in diesem Jahr immer noch mit kräftigen Einbrüchen. 2010 und 2011 dürften die Wachstumsraten aber wieder deutlich in den positiv Bereich zurückkehren.

Für das deutsche Wirtschaftswachstum wurde die Prognose ebenfalls deutlich angehoben. Im nächsten Jahr wird mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von rund 1,4 Prozent gerechnet, teilte die OECD am Donnerstag in Berlin mit. Im Juli war nur ein kleines Plus von 0,2 Prozent erwartet worden. Damit zeigt sich die Organisation optimistischer als die Bundesregierung, die für das kommende Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent rechnet. Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) rechnet indes damit, dass die Erholung der deutschen Wirtschaft im kommenden Jahr ins Stocken geraten wird. „Das Wachstum in Deutschland dürfte 2010 wieder nachlassen“, schrieb der BdB in seinem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht. „Ein erneuter Rückfall in eine Rezession ist aber nicht zu befürchten.“

Laut OECD ist der deutsche Wachstumsmotor wieder einmal die Exportindustrie, die schnell aus der Krise komme. „Das Schlimmste liegt hinter uns“, sagte OECD-Experte Felix Hüfner. 2011 könne Europas größte Volkswirtschaft sogar um knapp zwei Prozent zulegen. Den Preis der Finanzkrise müssten in Deutschland viele Arbeitnehmer bezahlen. 2011 werden nach OECD-Einschätzung im Jahresdurchschnitt etwa 4,3 Millionen Menschen ohne Job sein.

Die Bundesbank rechnet hingegen nicht mit einem deutlichen Zuwachs der Arbeitslosigkeit in Deutschland – trotz einer geringen Kapazitätsauslastung. „Aus heutiger Sicht ist auch für die nähere Zukunft nicht mit einem scharfen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen“, heißt es im jüngsten Monatsbericht der Bundesbank vom Donnerstag. Gleichwohl sei eine Anpassung der Beschäftigung an die immer noch gedämpfte Gesamtproduktion zu erwarten. Diese Beschäftigungsverluste, die insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Verkehrs- und Logistikbereich auftreten dürften, könnten aber teilweise durch Neueinstellungen in anderen Wirtschaftszweigen ausgeglichen werden.

Nach Einschätzung der Bundesbank gewinnt die Erholung der Weltwirtschaft ebenfalls zusehends an Breite. Die Konjunktur habe sich im dritten Quartal gefestigt, heißt es im dem Bericht. Diese Entwicklung dürfte sich im Schlussquartal 2009 und zu Jahresbeginn 2010 fortsetzen. Die stärksten Impulse kamen laut Bundesbank zuletzt von staatlichen Konjunkturprogrammen, der expansiven Geldpolitik und dem Lageraufbau der Unternehmen. Auch das Wachstum der Industrieproduktion habe sich deutlich verstärkt. „Daneben hat auch der gestiegene Risikoappetit an den Finanzmärkten die weltwirtschaftliche Dynamik gestützt.“ Regional seien die stärksten Impulse aus den Schwellenländern gekommen.

Risiken für die weitere Entwicklung sieht die Bundesbank nicht zuletzt auf Seiten der Finanzmärkte. Trotz der verbesserten Marktlage blieben Zweifel an der Nachhaltigkeit der Erholung. So könne die größere Zuversicht der Marktteilnehmer vor allem durch die milliardenschweren Konjunkturprogramme und die weltweit hohe Liquidität getrieben sein. „Zur Vorsicht mahnt auch, dass die Volatilität an den Märkten beiderseits des Atlantiks im Sommer etwas zunahm und gegenwärtig weiterhin über ihren langjährigen Durchschnittswerten liegt.“

Für den gesamten OECD-Raum ist im laufenden Jahr mit einem Wachstumseinbruch um 3,5 Prozent zu rechnen. Mit Raten von plus 1,9 Prozent im Jahr 2010 und plus 2,5 Prozent im Jahr 2011 dürfte in den kommenden beiden Jahren aber wieder der Wachstumspfad eingeschlagen werden. Stützend wirke vor allem der Aufschwung in Nicht-OECD-Staaten wie insbesondere China. Allerdings sieht die OECD nach wie vor große Risiken. Diese liegen vor allem beim privaten Konsum infolge schwacher Arbeitsmärkte und im Außenhandel, nicht zuletzt in „ungeordneten Wechselkursschwankungen“. Darüber hinaus verweist die OECD auf Deflationsrisiken.

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