Wirtschaftsdaten schlechter als erwartet
Briten richten sich auf Zinserhöhung ein

In Großbritannien deutet sich die nächste Zinserhöhung schon im Mai an. Zwar lag das Wirtschaftswachstum des Landes im ersten Quartal knapp unter den Erwartungen, doch die über die Einzelhandelsverkäufe für den Monat März fielen jedoch dreimal so hoch aus wie prognostiziert. Damit könnte die Bank erneut zu einem Drehen an der Zinsschraube gezwungen werden, um die Nachfrage der Verbraucher nicht heiß laufen zu lassen.

fs LONDON. Das Nationale Statistikamt ermittelte das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in den ersten drei Monaten des Jahres bei 0,6 %, leicht unter den von Analysten im Vorfeld erwarteten 0,7 %, aber deutlich unter dem Wachstum des vierten Quartals 2003. Das in den vergangenen Jahren entstandene Ungleichgewicht der Wirtschaft blieb auch im ersten Quartal erhalten. Der Dienstleistungs-Sektor entwickelte sich positiv, Produktion und das Verarbeitende Gewerbe gaben nach. Die Statistiker merkten an, dass eine Revision der unter anderem auf Umfragen und Schätzungen basierenden Zahlen wegen schwacher Rückläufe in der Osterfeiertagen durchaus möglich sei. Experten wie Philip Shaw, Chefökonom des Fondsmanagers Investec, nannten die Daten jedoch „enttäuschend“.

Analysten gehen davon aus, dass die Zahlen tendenziell einen einmaligen Ausreißer nach unten darstellen. Auch die zur gleichen Zeit veröffentlichten Einzelhandelsverkäufe legten nahe, dass die Bank schon bald zum Handeln gezwungen sein könnte. Die Verkäufe legten im März um 0,6 % zu, dreimal so hoch wie erwartet.

Diese Daten deuten nicht auf ein Ende des jahrelangen Konsumentenbooms. Die Bank von England zeigte sich zuletzt vielmehr besorgt über das Verhalten der Privaten. Obwohl die Bank in den vergangenen sechs Monaten zweimal den Leitzins auf bislang 4 % erhöht hat, nimmt die Verschuldungsbereitschaft kaum ab, im Gegenteil: Im März verteilten die Kreditinstitute nach Angaben des britischen Bankenverbands Hypothekenkredite im Wert von 6 Mrd. Pfund, deutlich mehr als der zuletzt erreichte Schnitt von 5,5 Mrd. Pfund pro Monat.

Offenbar locken die boomenden Hauspreise nach wie vor Käufer an – auch wenn der Markt schon seit Jahren mit einer zweistelligen Jahresrate steigt. Und die Bank von England scheint den überhitzten Markt – JP Morgan sieht Immobilienpreise um rund 30 % überbewertet – nicht unter Kontrolle zu bekommen. Die Währungshüter fürchten, dass ein etwaiger Preisverfall die Wirtschaft massiv erschüttert. Mittelfristig deutet zwar wegen der geringen Arbeitslosigkeit und noch immer relativ niedriger Zinsen nichts auf einen Auslöser eines solchen Szenarios hin. Dennoch sagte das Mitglied des Geldpolitischen Komitees Richard Lambert, die vielleicht größte Unsicherheit sei „die Entwicklung der Hauspreise in den kommenden ein bis zwei Jahren.“

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