Wirtschaftserholung: Japan am Wendepunkt

Wirtschaftserholung
Japan am Wendepunkt

Die japanische Wirtschaft ist am Jahresende so kräftig gewachsen wie seit drei Jahren nicht mehr. Vor allem die ausgabefreudigen Verbraucher gaben der Konjunktur einen Schub. Experten warnen jedoch vor einem allzu sonnigen Bild der japanischen Wirtschaft.

TOKIO. Japans Bruttoinlandprodukt (BIP) wuchs im vierten Quartal 2006 im Vergleich zum Vorquartal preisbereinigt 1,2 Prozent. Gemessen am Vorjahresquartal lag das Wachstum sogar bei 4,8 Prozent. Selbst die Verbraucherausgaben stiegen und erreichten wieder auf das Niveau des Frühjahrs, nachdem sie im dritten Quartal einen Durchhänger hatten.

„Die Wirtschaft erholt sich weiter“, sagte Japans Finanzministerin Hiroko Ota heute in Tokio. Für eine Erholung spreche auch, dass fünf Sechstel des Wachstums von inländischer Nachfrage herrührten. Im Vorquartal waren es die Exporte gewesen, die eine BIP-Steigerung bewirkt hatten.

Experten warnen jedoch vor einem allzu sonnigen Bild der japanischen Wirtschaft. Der statistische BIP-Anstieg liege im Bereich dessen, was nach dem weniger starken Vorquartalen zu erwarten war, sagt Tetsufumi Yamakawa von Goldman Sachs. „Eine Analyse der Daten legt nahe, dass die Wachstumsrate die darunter liegende tatsächliche Stärke der Wirtschaft übersteigt“, sagt der Ökonom. Eine Reihe von einmaligen Faktoren trage zur der vergleichsweise hohen Zahl bei.

„Wir sind weiter der Ansicht, dass sich Japan in einem zyklischen Abschwung befindet“, so der Ökonom, sagt auch Satoru Ogasawara von der Credit Suisse in Tokio. Er weist darauf hin, dass das Wachstum im Jahresvergleich in der ersten Jahreshälfte 2006 0,7 Prozentpunkte höher lag als in der zweiten Hälfte des Jahres. Außerdem sei der private Konsum im vierten Quartal 2006 nur deshalb so stark gewachsen, weil er Verbrauch im Vorquartal besonders schwach ausgefallen war. „Im Kern bleibt der private Konsum schwach“, musste auch Japans Finanzministerin Ota zugeben und appellierte daher an die Bank of Japan, die Zinsen niedrig zu halten.

Ogasawara von der Credit Suisse sieht noch andere Anzeichen für eine Abschwächung des hohen japanischen Wachstums. Zwar seien die Löhne mit 0,8 Prozent im vierten Quartal gestiegen, doch weniger stark als in der ersten Jahreshälfte. Der Anteil der Anlageinvestitionen der Industrie an den Ausgaben steige dagegen kontinuierlich an – die Wirtschaft scheine Investitionen Priorität vor Lohnsteigerungen zu geben. Ohne Lohnsteigerungen kommen die Konsumausgaben und Preise jedoch nicht vom Fleck.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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