Wirtschaftsforscher
Merkel-Forderung nach höheren Löhnen „sehr gefährlich“

Angesichts des kräftigen Aufschwungs sagen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten einen kräftigen Lohnanstieg in Deutschland voraus. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hält deutliche Zuwächse für geboten. Doch das DIW bremst und warnt vor überzogenen Forderungen aus der Politik.
  • 8

DÜSSELDORF. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hat die Forderung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach deutlich höheren Löhnen scharf kritisiert. „Mit der pauschalen Forderung nach deutlich höheren Löhnen kann ich nichts anfangen, ich halte das für sehr gefährlich“, sagte Zimmermann Handelsblatt Online. Zwar spreche nichts dagegen, dass es angesichts der guten wirtschaftlichen Entwicklung im kommenden Jahr zu Lohnerhöhungen kommt. „Umgekehrt darf man aber auch nicht vergessen, dass die deutsche Wirtschaft auf Massenentlassungen verzichtet hat, als es der Konjunktur im letzten Jahr schlecht ging“, sagte er. Auch sei die wirtschaftliche Lage nicht in allen Branchen gleichermaßen gut. „Es wird deshalb auf Augenmaß ankommen.“

Zimmermann geht davon aus, dass es in den Branchen, in denen es brumme, zu „kräftigeren“ Lohnsteigerungen kommen werde. „Angesichts des Fachkräftemangels geben solche Steigerungen auch Signale an die Menschen in den internationalen Arbeitsmärkten, Deutschland endlich als attraktives Zuwanderungsland zu entdecken und anzunehmen“, ist sich der Ökonom sicher. Branchen mit gering qualifizierter Arbeit sollten allerdings mit geringeren Zuwächsen auskommen. „Schließlich sind Einmalzahlungen dauerhaft wirksamen hohen Zuschlägen deutlich vorzuziehen“, sagte Zimmermann und fügte hinzu: „Eine solche differenzierte Entwicklung würde die Basis unseres gegenwärtigen Wirtschaftserfolges, den funktionierenden Arbeitsmarkt, stärken und weitere Erfolge bei Beschäftigung und Wachstum sichern.“

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte zuvor den Ruf ihres Wirtschaftsministers Rainer Brüderle (FDP) nach deutlich höheren Löhnen unterstützt und erklärt, das sei „natürlich etwas, was Buchstabe für Buchstabe die Bundeskanzlerin ganz genauso sieht“. Dass es im Aufschwung Spielraum für Lohnerhöhungen gebe, zeigten ja Tarifabschlüsse wie in der Stahlbranche.

In diesem Sinne prophezeien die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten ebenfalls einen kräftigen Lohnanstieg in Deutschland. Die gesamtwirtschaftliche Bruttolohn- und Gehaltssumme werde dieses Jahr um 2,4 und kommendes Jahr gar um 2,8 Prozent zunehmen.

Ausschlaggebend dafür ist neben dem drastischen Rückgang der Kurzarbeit die sinkende Arbeitslosigkeit. Zudem dürften die tariflichen Stundenlöhne 2010 um 1,8 Prozent und im kommenden Jahr um 1,9 Prozent steigen. Die Experten erwarten für dieses Jahr einen Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 3,5 Prozent, für 2011 einen Anstieg um zwei Prozent. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) nannte Deutschland ein „Aufschwungland“.

Seite 1:

Merkel-Forderung nach höheren Löhnen „sehr gefährlich“

Seite 2:

Kommentare zu " Wirtschaftsforscher: Merkel-Forderung nach höheren Löhnen „sehr gefährlich“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @eckhard stephan guter ansatz zur lösung und es steckt geist dahinter.analyse hin /her der mensch als grösstes raubtier wird es leider nicht hinkriegen dem einhalt zu gebieten.wo man hinschaut verfall,lug und trug tricksen,tarnen täuschen,dann wenns nach hinten los geht,das waren wir nicht kohle abgreifen wählt mich doch ab,dann gehe ich als unfähiger in die wirtschaft,ob clement,gerster kochs und und und,müssig sie alle aufzuzählen.der deutsche michel verwundert mich nicht mehr,wie früher wehrt er nicht den anfängen sondern schaut zu wie er mit der situation die einer vergewaltigung seiner intressen gleicht klar kommt ohne wiederstand zu leisten.lohnsklaverei zeitarbeit brutales arbeitsklima.den hohn erträgt das die lumpen für ihn höhere löhne fordern die ihn in diese situation gebracht haben.mitnerweile glaubt er noch das er für die bankenkrise verantwortlich ist und deshalb zahlen muss.so wird mit der hyperinflation die götterdämmerung eingeleitet,also nichts neues in old germany

  • Sie irren gravierend, Herr Ermecke. Gerade „Experten“ und „Ökonomen“ von der Art des Präsidenten des DiW verhindern das Eindampfen der wirtschaftlichen und finanziellen Desaster, in denen sich die Mehrzahl der entwickelten Volkswirtschaften derzeit befindet. Die Quintessenz dieser immer schneller rotierenden Dramatik ist der Konsum (und sein beständiges Wachstum), dessen der Weltkapitalismus durch die unverschämte (und oftmals kriminelle) Umverteilung der Gewinne aus den Unternehmungen zugunsten der Eigentümer zunehmend verlustig geht. Mehr noch: Das Wachstum von Produktion und Konsum der so genannten boomjahre (Ende der 1990 iger bis 2008) generierte sich schon da nicht mehr aus gewachsenen Einkommen der beschäftigten (beispielsweise) in den USA oder Deutschland. insbesondere die Staaten (der so hoch gelobte „Motor“ für die Weltwirtschaft) realisierten Konsum aus überbordender Verschuldung der beschäftigten. Aber auch in anderen industrieländern sah es nicht entscheidend besser aus. Dieses System lief Gefahr (initialgezündet durch den Ausbruch der Weltfinanzkrise 2007/2008) zu implodieren. in der bisherigen Geschichte ohne beispiel aufgelegte gigantische Konjunkturprogramme (respektive das endlose Drucken frischen Geldes) haben implosionen (bisher) hinausgezögert. Diese werden (den Meinungen tradierter „Experten“ der Art Zimmermann trotzend) mit traumwandlerischer Sicherheit eintreten, wenn die Funktion der Märkte (und deren entscheidender „Motor“, die binnenmärkte) nicht wiederhergestellt werden wird. Der einzige Ausweg aus diesem Desaster besteht (entgegen der Meinung von Mainstream-Ökonomen) in der nachhaltigen Stimulierung der (Massen-) Kaufkraft. Diese Stimulierung darf allerdings nicht (ausschließlich) durch permanent in die Wirtschaft gedrückte Konjunkturprogramme erfolgen. Das erhöht nur weiter die Verschuldung der Staaten. Ganz im Gegenteil. Die Produzenten der Güter und Dienstleistungen müssen adäquater an den von ihnen erzeugten Resultaten der Produktion beteiligt werden. Es darf den Eigentümern der Unternehmungen nicht überlassen bleiben, in welchem Masse sie die Erzeuger der Produktionsergebnisse an diesen teilhaben lassen, wenn sie diesem Erfordernis nicht in Verantwortung vor der Gesellschaft nachzukommen bereit sind. ist diese bereitschaft der Unternehmer nicht vorhanden, bei wachsender Produktion die beschäftigten auch „w a c h s e n d“ an deren Resultate zu beteiligen, ist es unabdingbar das die Politik eingreift. Schaffen wir diese „Quadratur des Kreises“ nicht, wird sich die Götterdämmerung des Kapitalismus fortsetzen.

  • Kalte Progression ist das Zauberwort. Der Staat verdient kräftig mit. So sind die bemessungsgrundlagen für die Steuersätze seit Jahrzehnten nicht der inflation angepasst worden. Mehr Netto vom brutto ist für Unternehmen und Arbeitnehmer der bessere Weg. Schade das hier seitens des DiW nicht auf diese Fehlentwicklung hingewiesen wird. in der Schweiz wird die bemessungsgrundlage regelmässig entsprechend der inflationsentwicklung gewichtet.

    Dafür braucht es in D die bereitschaft den aufgeblasenen Verwaltungsapparat mit all seinen Regulierungen u. Profiteuren massiv zu verschlanken und eine Entwicklung zur Direkten Demokratie. bei der heutigen Parteienlandschaft und der repräsentativen Demokratie mit der Ueberzahl an Repräsentanten aus dem beamtenstand in Parlament u. Parteien wird daraus nichts werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%