Wirtschaftsforschung
DIW macht privaten Einrichtungen Konkurrenz

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) wird grundlegend umgebaut. Die Berliner Wirtschaftsforscher wollen privaten Forschungseinrichtungen wie Prognos Konkurrenz machen und gründen dafür zum 1. Juli das Beratungsunternehmen DIW Econ.

BERLIN. „Wir wollen damit den Konflikt lösen, mehr forschen zu müssen und gleichzeitig mehr beraten zu wollen“, sagt DIW-Chef Klaus Zimmermann. Die von Bund und Ländern geförderten Institute, zu denen das DIW zählt, werden von der Wissensgemeinschaft Leibniz zunehmend doppelt gefordert: Die öffentlichen Geldgeber drängen seit einigen Jahren nicht nur auf eine höhere wissenschaftliche Qualität und höheren Forschungsoutput, was sie regelmäßig durch von ihnen gewählte unabhängige Gutachter prüfen lassen. Die Institute sind gleichzeitig angehalten, stärker als Serviceeinrichtungen zu agieren, beratend aktiv zu sein und Drittmittel einzutreiben. Institute, die nicht die Gnade der Evaluatoren finden, sind akut existenzbedroht.

Mit der Unternehmensgründung könnte Zimmermann beide Ziele erreichen: forschungsschwächere Mitarbeiter könnten mittelfristig im DIW Econ eingesetzt werden, forschungsstarke im DIW bleiben. So würde der Pro-Kopf-Forschungsoutput des Instituts steigen, gleichzeitig könnte die Beratungsfirma das Institut wirtschaftlich unterstützen.

Wie viele Mitarbeiter das Unternehmen haben wird, ist laut Zimmermann noch unklar. „Wir werden zunächst vor allem mit Zeitverträgen, freien Mitarbeitern und Netzwerken arbeiten.“ Zielgruppe seien alle, die Interesse an wirtschaftpolitischer Beratung hätten, aber nicht der öffentlichen Hand angehören – beispielsweise Unternehmen oder Verbände. „Dass wir neben Bund und Ländern andere Adressanten beraten und mit ihnen Geld verdienen, sehen unsere Zuwendungsgeber nicht gerne“, so Zimmermann. Daher solle das künftig DIW Econ tun. „Die GmbH wird die wissenschaftliche Kompetenz des DIW nutzen, spiegelbildlich zu den Institutsabteilungen aufgebaut sein und erwirtschaftete Gewinne an das DIW abführen“, kündigt er an.

Die Unternehmensgründung ist nur ein Schritt in die von Zimmermann eingeschlagene Richtung. Im Juni wird das Institut aus dem beschaulichen Berliner Stadtteil Dahlem ins Regierungsviertel ziehen. Zudem hat das DIW im Herbst vergangenen Jahres ein Doktorandenprogramm gestartet, das neben der wissenschaftlichen Ausbildung einen Schwerpunkt auf die Beratungstätigkeit legt. Wie er den Strukturwandel des Institutes vorantreiben will, machte Zimmermann am Dienstagabend bei einem kurzfristig einberufenen Pressegespräch publik und damit in einer turbulenten Zeit für sein Haus.

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