Wirtschaftskrise auf der grünen Insel
Irland steuert auf eine Rezession zu

Der keltische Tiger lahmt. Nach Jahren des Aufschwungs steuert Irland nun auf eine Wirtschaftskrise zu. Das BIP ist im ersten Quartal bereits um 1,5 Prozent geschrumpft, die Arbeitslosenzahl ist auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren - und an der Börse in Dublin fallen die Kurse.

LONDON. Das irische Wirtschaftswunder ist vorerst beendet. Die Konjunktur des Landes legt die dramatischste Vollbremsung in der Euro-Zone hin. Das kleine Land, das während seiner Boomzeit „Keltischer Tiger“ genannt wurde, wird mehr als andere Staaten von der Finanzkrise in Mitleidenschaft gezogen. Der starke Euro belastet darüber hinaus die Ausfuhren.

Ökonomen rechnen jetzt mehrheitlich mit einem leichten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP), das 2007 noch um sechs Prozent gewachsen war. Die erste Rezession seit 1983 scheint unvermeidlich.

Im ersten Quartal ist das BIP bereits um 1,5 Prozent geschrumpft. Die Arbeitslosenzahl hat bereits den höchsten Stand seit zehn Jahren erreicht und dürfte weiter steigen. Der lange Zeit so solide Staatshaushalt ist auf dem Weg, die Maastricht-Kriterien zu verletzen. Dazu brach am Freitag auch noch die Börse Dublin ein.

„Alles was für die irische Wirtschaft schief gehen konnte, ist schief gegangen“, fasste Dan McLaughlin, Chefvolkswirt der Bank of Ireland, zusammen. Der Anfang vom Ende war das lange erwartete Platzen der Immobilienblase, das den privaten Konsum und die Baubranche stark belastet. Der starke Euro und die Wirtschaftskrise in den USA, aus denen die meisten Direktinvestitionen in Irland stammen, unterminieren das irische Erfolgsmodell als steuergünstiger Produktionsstandort in der Euro-Zone. Und dann habe die Europäische Zentralbank auch noch die Zinsen erhöht, klagt McLaughlin. Er hatte noch im April eine Prognose von drei Prozent Wachstum im laufenden Jahr verteidigt. Jetzt geht er von Nullwachstum aus.

Die irische Zentralbank revidierte jetzt ihre Prognose radikal auf nur noch 0,6 Prozent Wachstum im laufenden Jahr. Auch für 2009 erwartet sie keine schnelle Konjunkturerholung mehr. Noch dazu korrigierte sie die Inflationsprognose für 2008 von 3,2 auf 4,5 Prozent nach oben.

Noch pessimistischer ist das führende irische Wirtschaftsforschungsinstitut ESRI, das ein BIP von minus 0,4 Prozent im laufenden und plus zwei Prozent im kommenden Jahr voraussagt. Ein Einbruch der privaten Investitionen um 15 Prozent ist für ESRI die Hauptursache für die Rezession. Die Arbeitslosenquote sieht es bis zum Jahresende auf sieben Prozent steigen.

Am Freitag kam auch noch ein Schock an der Dubliner Börse zu den Problemen hinzu. Der Aktienmarkt weist ohnehin schon die drittschlechteste Performance in Europa nach der Ukraine und Bulgarien auf. Nun fiel der Iseq-Index nach einem Fehlschlag des Pharmaunternehmens Elan mit einem wichtigen Medikament vorübergehend um fast zehn Prozent.

Die Notenbank hat berechnet, dass die Kombination aus dem Verfall der Hauspreise, der Aktienkurse und daraus folgend den Pensionsrücklagen die irischen Haushalten schon 2007 im Schnitt 32 600 Euro gekostet hat. Der spürbare Verlust an Wohlstand verschärft sich im laufenden Jahr und droht den Konsum abzuwürgen.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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