Wirtschaftskrise
IWF will Finanzsektor in die Pflicht nehmen

Der Internationale Währungsfonds (IWF) will den Finanzsektor stärker in die Pflicht nehmen. IWF-Chef Strauss-Kahn warnte vor einem zu frühen Ausstieg aus den staatlichen Hilfsprogrammen. Das könne die Erholung beschädigen.
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ISTANBUL. Es sei "fair", die Branche als Reaktion auf die Krise stärker in die Pflicht zu nehmen, sagte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn bei der Herbsttagung des Fonds in Istanbul. "Eine spezielle Finanzierung durch den Finanzsektor ist etwas an dem wir arbeiten." Der Fonds werde den führenden 20 Industrie- und Schwellenländern (G20) einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten.

Strauss-Kahns Äußerungen kommen überraschend - bislang hatte sich der Fonds in der Debatte um eine künftige finanzielle Belastung der Finanzwirtschaft weitaus zurückhaltender geäußert. Auch die mittlerweile abgewählte Große Koalition und insbesondere deren SPD-Finanzminister Peer Steinbrück hatten in der Vergangenheit für eine Steuer auf internationale Finanzmarkttransaktionen plädiert.

Wie genau ein solches Konzept aussehen könnte, ließ Strauss-Kahn, der unter anderem die Begriffe "Fonds" und "Versicherung" in den Mund nahm, offen. Klar sei aber, so der IWF-Chef, dass die Idee der so genannten Tobin-Steuer "nicht funktioniert".

Eine ungezügelte Kreditvergabe und hoch riskante Engagements, insbesondere bei US-Banken, haben die Weltwirtschaft in die schlimmste Krise seit 80 Jahren gestürzt. Strauss-Kahn bekräftigte, der Finanzsektor sei noch keineswegs wieder hergestellt. An besserer Regulierung und Aufsicht führe künftig kein Weg vorbei. "Wir müssen unbedingt die Finanzstabilität verbessern", sagte der IWF-Chef.

Bei der Überwindung der Krise sieht Strauss-Kahn nach eigenen Worten Fortschritte, warnte aber deutlich vor einer zu frühen Beendigung der staatlichen Hilfsprogramme rund um den Globus. "Es gibt immer noch einige Risiken", sagte er. Ein zu früher "Exit" der Staaten aus der Förderung könne "die Erholung beschädigen."

Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit als Folge der Krise ist nach Einschätzung des Franzosen praktisch unvermeidbar. "Ich bin immer noch sehr besorgt über das Ansteigen der Arbeitslosigkeit", sagte er. Europa wird nach seinen Worten wohl langsamer aus der Krise herauskommen als andere Regionen. "Europa war in gewissem Sinne weniger hart getroffen als die USA, als das Wachstum einbrach, ... aber es wird wohl auch etwas langsamer reagieren, wenn es in die andere Richtung geht", sagte er. Grund seien die weniger flexiblen Marktbedingungen.

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