Wirtschaftskrise
IWH und IW senken Konjunkturprognosen

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnen mit einer schrumpfenden deutschen Wirtschaft im kommenden Jahr. Beide Institute korrigierten ihre Prognosen deutlich nach unten.

HB HALLE/KÖLN. Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hat seine Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland in diesem Jahr deutlich und für 2009 drastisch gesenkt. „Die schwere Krise des Weltfinanzsystems hat auch Deutschland in eine tiefe Rezession gestürzt“, teilte das IWH am Donnerstag mit. So rechne das Institut für dieses Jahr nur noch mit einem Wachstum von 1,4 Prozent, Anfang September waren noch 1,8 Prozent erwartet worden. 2009 werde das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach der Prognose des Instituts ein Minus von 1,9 Prozent aufweisen. Das IWH war bei der vorherigen Prognose noch von einem Wachstum von 0,9 Prozent für das nächste Jahr ausgegangen. Das BIP drückt die volkswirtschaftliche Gesamtleistung aus.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erwartet für 2009 einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,5 bis 2 Prozent. Die Prognosen seien derzeit wegen der dynamischen Veränderungen sehr unsicher, sagte IW-Direktor Michael Hüther am Donnerstag in Köln. „Klar ist: Wir kommen an einer merklichen Schrumpfung 2009 nicht vorbei.“ Im November war das arbeitgebernahe Institut noch von einem Rückgang um knapp 0,5 Prozent ausgegangen.

Als Gegenmaßnahme schlug Hüther ein Konjunkturpaket vor, das neben Investitionen auch Senkungen des Einkommenssteuersatzes und der Krankenkassenbeiträge enthalten solle. „Insgesamt brächte das eine Entlastung von 27 Milliarden Euro, das entspräche etwa 1,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts“, sagte Hüther.

Konkret werde eine Abflachung der unteren Einkommenssteuer-Tarifgruppen, wo die Progression am höchsten sei, 12 Milliarden Euro kosten. Um auch diejenigen zu erreichen, die keine Einkommenssteuern zahlen, solle der Beitragssatz für die gesetzliche Krankenversicherung um einen Prozentpunkt gesenkt werden, forderte Hüther. „Das würde organisiert durch einen Zuschuss des Bundes an den Gesundheitsfonds von etwa zehn Milliarden Euro.“



Öffentliche Investitionen in Infrastruktur, Schul- oder Hochschulgebäude seien sinnvoll, müssten aber realistisch bleiben: „Mehr als fünf Milliarden Euro können Bund, Länder und Kommunen nicht zusätzlich machen.“ Dem Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), verstärkt in Westdeutschland zu investieren, erteilte Hüther eine Absage. Wichtig sei es vielmehr, „in Projekte zu investieren, die planungsreif sind und nicht noch einen langen Vorlauf brauchen“, meinte der IW-Chef. „Da wird man nicht differenzieren können zwischen verschiedenen Bundesländern.“

Laut IWH müsse die Industrie wegen ihrer starken Exportabhängigkeit den größten Rückschlag hinnehmen. Der entscheidende Impuls für die Trendwende Ende nächsten Jahres werde von der Belebung der Konjunktur in den übrigen Industrieländern kommen. Zudem lasse die Intensität weltweiter Aktivitäten gegen die Rezession auf ein Ende der Talfahrt der Produktion in der zweiten Hälfte 2009 schließen, so das IWH.

Die Beschäftigung wird nach Ansicht des Instituts im Verlauf des nächsten Jahres um 620 000 Menschen sinken. Konjunkturpolitische Maßnahmen werden den Abbau von Arbeitsplätzen hinauszögern. Am Ende des Jahres 2009 sind laut der Prognose 39,8 Millionen Menschen in Deutschland erwerbstätig und 3,7 Millionen Menschen arbeitslos. Die Arbeitslosenquote werde 2009 auf 8,1 Prozent steigen, nach 7,5 Prozent in diesem Jahr. Mittelfristig rechnet das IWH mit einem Wachstum der deutschen Wirtschaft in den Jahren 2010 bis 2013 von durchschnittlich eineinhalb Prozent. Erste Impulse würden dafür vom Außenhandel kommen.

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