Wirtschaftsstimmung fällt unter langjährigen Durchschnitt
Inflationsrate in der Euro-Zone auf Allzeithoch

Wie nach unerwartet kräftigen Preisschüben in Belgien und Deutschland zu befürchten war, ist auch die Inflationsrate in der Euro-Zone im März stärker gestiegen als erwartet. Die von der EU-Kommission erhobene Wirtschaftsstimmung schwächte sich dagegen stärker ab als von Bankvolkswirten vorausgeschätzt. Deutschland hebt sich allerdings positiv ab.

ari DÜSSELDORF. Nach der Vorausschätzung des Statistikamtes Eurostat stieg der für Vergleichszwecke harmonisierte Verbraucherpreisindex im März im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,5 Prozent. Das ist ein neues Allzeithoch seit Einführung der Gemeinschaftswährung Euro im Jahr 1999. In der Rückrechnung bis Anfang der 90er-Jahre wurde zugleich der höchste Stand seit Juni 1992 erreicht.

Bankvolkswirte hatten vor Bekanntgabe der Preisdaten für Deutschland und Belgien damit gerechnet, dass die Inflationsrate in der Euro-Zone im März auf dem im Februar auf 3,3 Prozent gestiegenen Niveau verharren würde. Sie hatten dann aber Ende vergangener Woche ein Aufwärtsrisiko dieser Prognose gesehen. Die Ökonomen von Barclays Capital hatten ihre Prognose auf 3,5 Prozent nach oben revidiert und lagen letztlich richtig.

Eurostat berücksichtigt bei der Vorausschätzung der Inflationsrate frühzeitig vorliegende Ergebnisse aus den Mitgliedsländern sowie Informationen über die Energiepreise. Im März hatten die Ölpreise in Dollar gerechnet mehrmals Rekorde gebrochen. Die gleichzeitige Abwertung des US-Dollars zum Euro konnte aber nicht verhindern, dass auch in Euro gerechnet die Energiepreise zum Vormonat anzogen.

Auch im Jahresvergleich kommt der Hauptschub beim Preisauftrieb von Energie. Im Vergleich zum Vorjahresmonat war beispielsweise Heizöl in Deutschland rund zwei Fünftel teurer, wie aus den Verbraucherpreisstatistiken für sechs Bundesländer hervorgeht. Außerdem zogen die Preise für Nahrungsmittel weiter an. Darüber hinaus sorgten die frühen Osterferien für einen saisonal begrenzten Preisschub, weil sich damit Eier (plus ein Fünftel), aber auch Pauschalreisen und die Übernachtungspreise in Hotels und Ferienwohnungen verteuerten.

Die für die europäische Statistik entscheidende harmonisierte Inflationsrate für Deutschland zog deshalb nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes von 2,9 Prozent im Februar auf 3,2 Prozent im März an. In Belgien beschleunigte sich der Preisanstieg von 3,6 auf 4,4 Prozent. In Italien meldeten die Statistiker am Montag einen Anstieg der harmonisierten Teuerungsrate von 3,1 auf 3,6 Prozent, in Spanien von 4,4 auf 4,6 Prozent.

Bankvolkswirte, so Christoph Weil von der Commerzbank, werteten den unerwartet starken Teuerungsschub als „negative Überraschung“. Er erklärte, „die Sorge der Europäischen Zentralbank (EZB) vor Zweitrundeneffekten dürfte damit kaum kleiner geworden sein“. Vor allem in nächster Zeit sind deshalb Zinssenkungen seitens der EZB unwahrscheinlich geworden, zumal sich das Geldmengenwachstum im März im Jahresvergleich nur etwas verlangsamt hat. Preisstabilität sieht die EZB bei nahe unter zwei Prozent gerade noch als gegeben an.

Zu Zinssenkungen durch die EZB könnte es nach Einschätzung von Bankökonomen aber dann kommen, wenn sich die Konjunkturdynamik stärker verlangsamt als von der Zentralbank bisher erwartet. Ein erster Vorbote dazu ist, dass die Wirtschaftsstimmung in der Euro-Zone im März sich stärker eingetrübt hat als vorausgeschätzt.

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