Wirtschaftswachstum 2012
Bundesregierung vor drastischer Senkung der Wachstumsprognose

Nachdem die Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Erwartungen für 2012 reihenweise nach unten korrigiert haben, zieht jetzt die Bundesregierung nach. Ihre neue Prognose soll von deutlich niedrigerem Wachstum ausgehen.
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BerlinDie Bundesregierung steht vor einer kräftigen Senkung ihrer Wachstumsprognose für das kommende Jahr. „Wir liegen im Wesentlichen auf der Linie der Institute“, sagte ein mit den Zahlen vertrauter Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Diese hatten ihre Prognose vergangene Woche drastisch von 2,0 auf 0,8 Prozent gesenkt. Von dieser Zahl werde die Bundesregierung nur geringfügig abweichen, hieß es. Die neue Prognose wird offiziell am Donnerstag vorgestellt und bildet die Basis für die Steuerschätzung im November.

Die Regierung geht bislang von einem Wachstum von 1,8 Prozent aus. Für dieses Jahr erwartet sie bisher 2,6 Prozent, die Institute rechnen mit 2,9 Prozent. Wegen der Schuldenkrise schätzen Börsenexperten die Aussichten für die deutsche Wirtschaft inzwischen so pessimistisch ein wie seit Beginn der weltweiten Finanzkrise vor drei Jahren nicht mehr.

Das Barometer für die ZEW-Konjunkturerwartungen fiel im Oktober unerwartet deutlich um 5,0 auf minus 48,3 Punkte und damit den achten Monat in Folge. „Ein noch niedrigerer Wert wurde zuletzt im November 2008 verzeichnet“, teilte das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu seiner Umfrage unter 300 Anlegern und Analysten mit. Damals hatte die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers eine globale Rezession ausgelöst.

Die Börsenexperten sorgen sich dem ZEW zufolge darum, „dass die schwelende Staatsschuldenkrise deutsche Unternehmen und Konsumenten dazu veranlassen könnte, Investitionen und Konsumausgaben aufzuschieben“. Auch die aktuelle Lage wurde deshalb schlechter bewertet. Die als Rückgrat der Wirtschaft geltenden Maschinenbauer dringen deshalb auf eine rasche Lösung der Schuldenkrise.

„Ein stabiler und verlässlicher Euro ist für uns als Exportindustrie essenziell“, sagte der Präsident des Branchenverbandes VDMA, Thomas Lindner. „Wir brauchen einen klaren Masterplan, was wann und wie passiert.“ Die Unternehmen sähen die Kapriolen an den Finanzmärkten mit Sorge, erklärte der VDMA-Chef. „Es wäre schon tragisch, wenn die Realwirtschaft, die das letzte Mal Opfer der Verschuldungs- und Finanzkrise war, noch einmal im Höhenflug gestoppt würde.“ Die Gefahr einer Ansteckung sei durchaus gegeben.

Die Bundesregierung sieht aber keinen Anlass für Schwarzmalerei. „Der deutsche Aufschwung ist nach wie vor intakt“, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Bernhard Heitzer. Allerdings spüre die exportabhängige Industrie Gegenwind, weil die Weltkonjunktur einen Gang zurückgeschaltet habe. Das merkt auch Exportweltmeister China: Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wuchs im dritten Quartal mit 9,1 Prozent so langsam wie seit über zwei Jahren nicht mehr. Die Konjunktur kühlte sich damit bereits das dritte Quartal in Folge ab.

Experten zufolge steht die deutsche Wirtschaft vor einem schwierigen Winter. „Wir werden kaum über Stagnation hinauskommen“, sagte Postbank-Ökonom Heinrich Bayer. Allerdings sei die Stimmung derzeit schlechter als die tatsächliche Lage. „Die Konjunkturdelle wird deshalb nicht in eine Rezession münden“, sagte der Experte.

Von Reuters befragte Analysten erwarten für das vierte Quartal nur ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent. Zum Jahresauftakt 2012 wird es demnach mit 0,2 Prozent nur einen Tick stärker ausfallen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Wirtschaftswachstum 2012: Bundesregierung vor drastischer Senkung der Wachstumsprognose"

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  • Dieser Aussage ist nichts hinzuzufügen.
    Danke

  • Ganz großes Kino! Wie fast bei jedem dieser monatlichen Spielchen hätte ich auch genau das gleiche aus der Hüfte geschossen.

    Arbeitet lieber an zukunftsfähigen Modellen um dem Volke zu dienen als die Prognosen der sogenannten Experten nachzuquasseln, liebe Abgeordnete.

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