Wirtschaftswachstum
BDI: Keine Impulse durch Außenhandel

Nach Einschätzung des BDI wird der deutsche Außenhandel dem deutschen Wirtschaftswachstum in diesem und im nächsten Jahr keine Impulse liefern, weil die Importe noch schneller steigen als die Exporte. Der Euro-Dollarkurs sollte sich aber in nächster Zeit auf dem gegenwärtigen Niveau halten, auch wenn der BDI hier ein großes Risiko für den Aufschwung sieht.

HB BERLIN. Die deutschen Exporte dürften im laufenden Jahr nur gedämpft um etwa ein Prozent wachsen und erst im nächsten Jahr kräftig um maximal vier Prozent zulegen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ludolf von Wartenberg, am Montag in Berlin. Die Importzuwächse dürften noch höher ausfallen.

„Trotz der zu erwartenden Rekordzahlen bei den deutschen Exportzahlen: die Außenwirtschaft wird die deutschen Wachstumszahlen kaum beflügeln“, erklärte er. Beim für die Außenwirtschaft wichtigen Eurokurs rechne er auch für die nächste Zeit mit einer Spannbreite von 1,10 bis 1,20 Dollar, mit der die deutsche Wirtschaft leben könne. Ein Anstieg auf 1,25 Dollar und mehr würde jedoch erhebliche Probleme auslösen.

Deutschland ist sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen Vize-Weltmeister. Wichtigste Zielregion für Ausfuhren ist die Europäische Union mit mehr als der Hälfte der Exporte. Das jüngste Außenwirtschaftsbarometer des BDI, dem eine repräsentative Umfrage unter den Mitgliedsfirmen zu Grunde liegt, lässt erst für das nächste Jahr eine deutlich optimistischere Grundstimmung erkennen, die sich vor allem aus dem erwarteten Anziehen der Weltwirtschaft und speziell der US-Konjunktur speist.

Die Schätzzahlen des BDI liegen, besonders für das laufende Jahr, deutlich unter den Erwartungen des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA). Der rechnet mit einem Exportplus von 3,5 % in diesem und 4,5 % im nächsten Jahr. Der Export hatte in den vergangenen Jahren immer wieder die Rolle des Wachstumsmotors gespielt und trägt mehr als ein Drittel zum deutschen Bruttoinlandsprodukt bei. Von Januar bis August lagen die Ausfuhren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes insgesamt um 1,7 % über dem Vorjahresniveau.

Die Auswirkungen des gegenwärtigen Eurokurses gegenüber dem Dollar, der am Montagmorgen gegenüber der vergangenen Woche etwas abgeschwächt bei knapp 1,17 Dollar notierte, werden von den Unternehmen derzeit als eher mäßig betrachtet. „Ein weiterer Kurssturz des Dollars könnte dem weltwirtschaftlichen Aufschwung aber einen dicken Strich durch die Rechnung machen“, warnte von Wartenberg. Er rechne aber nicht mit einem solchen Szenario mit Eurokursen von 1,25 Dollar und mehr, stellte er klar.

Trotz der positiven Exportentwicklung in Deutschland hält von Wartenberg mehr Anstrengungen Deutschlands für nötig, um in den zukunftsträchtigen Bereichen eine stärkere Rolle zu spielen, wo anspruchsvolles technisches Know-how eine Rolle spielt. Auch dazu bedürfe es grundlegender Reformen am Standort Deutschland. „Deutschland muss daher Geburtsort für Innovationen bleiben“.

Enttäuscht äußerte sich von Wartenberg über den Misserfolg der jüngsten Verhandlungen um eine Liberalisierung des Welthandels in Cancun. Damit bleibe der erhoffte Wachstumsimpuls für die Weltwirtschaft von dieser Seite aus. Der Zeitplan, nämlich ein Abschluss dieser Gespräche über einen freieren Welthandel im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO) bis Anfang 2005, lasse sich damit nicht mehr halten, sagte er.

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