Wirtschaftswachstum
Euro-Zone verliert im Frühjahr ihren Schwung

Nach einem starken Start in das laufende Jahr schwächelt die Wirtschaft in der Euro-Zone zunehmend. Darauf deutet eine vorläufige Auswertung des Einkaufsmanagerindexes hin, der auf Umfragen unter rund 5 000 Unternehmen beruht. Die Gründe für das Schwächeln der Wirtschaft.

HB FRANKFURT. Der starke Euro und die Finanzmarktkrise setzen sowohl der Industrie als auch den Dienstleistern im gesamten Währungsgebiet offenbar verstärkt zu und drücken das Barometer im Mai auf Stagnationsniveau. Es fiel von 51,9 auf 51,1 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit Juli 2003, meldeten das britische Forschungsinstitut NTC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

Im ersten Quartal war die Wirtschaft im Euro-Raum noch um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gewachsen und hatte damit die Erwartungen der meisten Volkswirte übertroffen. Als letzte der bedeutendsten Volkswirtschaften des Währungsgebietes legte Italien am Freitag seine Wachstumszahlen vor (siehe nebenstehenden Artikel). Spitzenreiter war Deutschland mit einem Plus von 1,5 Prozent.

Dieser Aufwärtstrend der Euro-Zone dürfte nun vorläufig gestoppt sein. So rechnen etwa die Volkswirte von Lehman Brothers damit, dass sich das Wachstum im Euro-Raum im zweiten Quartal auf 0,1 Prozent abschwächen wird. Die Ergebnisse des Einkaufsmanagerindexes waren aus ihrer Sicht ein Gegengewicht zu der positiven Überraschung, die der Ifo-Index vergangene Woche geliefert hatte: Das wichtigste deutsche Stimmungsbarometer war im Mai das dritte Mal in vier Monaten gestiegen.

Die Schwäche der Euro-Wirtschaft resultierte vor allem aus dem Nachlassen des Servicebereichs, der im Mai fast stagnierte: Der Index sank von 52 auf 50,6 Zähler und erreichte damit fast die Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die Industrie blieb im Mai ebenfalls nur noch knapp über der Marke von 50 Punkten, war allerdings nur leicht von 50,7 Zählern im April auf 50,5 Punkte gesunken.

Jacques Cailloux, RBS-Chefvolkswirt für die Euro-Zone, sah sich durch die Daten in seiner Einschätzung bestätigt, dass die Konjunktur zur Jahresmitte wahrscheinlich stagnieren werde. „Wachstumsbremse“ bleibe der Servicesektor, in dem sich die niedrige Einstellungsbereitschaft bereits in einem unterdurchschnittlichen Beschäftigungsaufbau niederschlage.

Verantwortlich für die gedrosselte Produktion war zwar in beiden Bereichen – dem Dienstleistungssektor sowie der Industrie – der erstmals seit Juli 2003 leicht rückläufige Auftragseingang. Für die Servicefirmen war die Situation aber besonders schwierig: Ihr Auftragswachstum kam im Mai fast zum Stillstand, so dass die Geschäfte weitgehend stagnierten, schrieb RBS. Die Zuversicht der Unternehmen, dass die Geschäfte binnen Jahresfrist besser laufen, fiel so schwach aus wie seit den Terroranschlägen auf die USA am 11. September 2001 nicht. „Dies lässt in den nächsten Monaten auf eine weitere Verlangsamung der Dienstleistungskonjunktur schließen“, schrieb RBS.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%