Wirtschaftswachstum
Industrie jubelt, Handwerk ächzt

Die deutschen Industrieunternehmen bewerten ihre Lage so gut wie seit 15 Jahren nicht mehr. Auch im kommenden Jahr wird das verarbeitende Gewerbe nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) überproportional weiter wachsen. In einer anderen Branche ist der Aufschwung indes noch nicht angekommen. Zehntausende Arbeitsplätze sind dort gefährdet.

HB BERLIN. Der deutschen Industrie geht es gut. Sie wird dem DIHK zufolge im nächsten Jahr neue Arbeitsplätze schaffen. „Wir rechnen mit bis zu 30 000 neuen Stellen“, sagte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Axel Nitschke bei der Vorstellung des aktuellen Industriereports.

Viele Unternehmen seien an die Grenzen ihrer Kapazität gestoßen und müssten wegen der guten Auftragslage in neue Jobs investieren. Dies gelte besonders für den Maschinenbau und die Elektrotechnik, aber auch für die Chemiebranche. Für das zu Ende gehende Jahr rechnet Nitschke unter dem Strich mit 15 000 zusätzlichen Arbeitsplätzen.

»  Die DIHK-Umfrageergebnisse zum Download

Die Industrie bewertet der Dezember-Umfrage des DIHK unter 9300 Unternehmen zufolge ihre Lage so gut wie seit 15 Jahren nicht mehr. Unsicherheiten über Reformen am Arbeitsmarkt und im Steuersystem trübten allerdings die Erwartungen etwas ein. Mit 87 Prozent rechnet aber weiter die große Mehrheit der Firmen mit gleich bleibenden oder besseren Geschäftschancen. Die Mehrwertsteuererhöhung werde vor allem den Handel und das Tourismusgewerbe belasten, sagte Nitschke.

Handwerk baut weiter ab

Aber auch das Handwerk bekommt vom Aufschwung noch nicht viel zu spüren. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) rechnet in diesem Jahr im Handwerk erneut mit einem Verlust von bis zu 20 000 Stellen. „2007, wenn wir vielleicht ein Prozent Wachstum haben, sind wir froh, wenn die Beschäftigung stabil bleibt“, sagte ZDH-Präsident Otto Kentzler dem Berliner „Tagesspiegel“. Er forderte erneut eine Lockerung des Kündigungsschutzes.

„Der Kündigungsschutz sollte nur in Betrieben über 20, besser noch über 50 Beschäftigte gelten.“ Dann würde seiner Auffassung nach die Zahl sozialversicherungspflichtiger Jobs steigen.

Kentzler kritisierte, Regelungen wie das Gleichbehandlungsgesetz „haben mit dazu geführt, dass wir heute den inflexibelsten Arbeitsmarkt aller Industrienationen haben“. Er bemängelte auch, dass die Regierung beim Thema Bildung zu wenig tue. „Hier wird viel geredet und wenig getan.“

Der Dreh- und Angelpunkt der Konjunktur wird 2007 der Arbeitsmarkt sein. Denn daran hängt, ob sich der Aufschwung über mehr privaten Konsum fortsetzt. Mit voraussichtlich 2,5 Prozent genießt die Wirtschaft in diesem Jahr das stärkste Wachstum seit 2000. Vorausgegangen waren fünf magere Jahre. Zahlreiche Forschungsinstitute haben ihre Wachstumsprognosen für 2007 bereits angehoben. Am optimistischsten ist das Kieler IfW, das mit 2,1 Prozent rechnet.

Der DIHK sagt für das neue Jahr ein Wachstum der Industrieproduktion von drei Prozent voraus nach etwa fünf Prozent 2006. Motor bleibe das gut laufende Exportgeschäft. Beim Bruttoinlandsprodukt erwartet der DIHK für 2007 weiter ein Plus von 1,5 Prozent. „Das dürften aber eher die Untergrenze sein“, deutete Nitschke eine Aufwärtskorrektur für Februar an.

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