Wirtschaftswachstum
Japan kämpft gegen starken Yen

Schlechte Nachrichten, gute Stimmung: Japans Wirtschaft schrumpft weiter, aber nicht so stark wie erwartet. Bald könnte es für das Land bergauf gehen - wenn ihm seine Währung keinen Strich durch die Rechnung macht.
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TokioIn Japan steht zurzeit die Fähigkeit hoch im Kurs, in schlechten Nachrichten noch den guten Kern zu finden. Dies gilt vor allem für Wirtschaftsmeldungen. Nachdem die Regierung gestern bekannt geben musste, dass das Bruttoinlandsprodukt der drittgrößten Wirtschaftsnation der Welt im dritten Quartal in Folge geschrumpft ist, wurden sofort die relativierenden Stimmen laut. Der Einbruch in den drei Monaten von April bis Juni sei mit 0,3 Prozent nicht so stark, wie von Experten befürchtet, betonen die einen. Es gehe wieder bergauf, nimmt man das Rekordminus der Monate Januar bis April mit Minus 0,9 zum Maßstab, ließ Wirtschaftsminister Karuo Yosano verlauten. Tatsache ist aber: Das letzte Mal, dass Japan eine so lange Durststrecke erleben musste, liegt über zwei Jahre zurück.

Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. Tatsächlich bedeutet der Absturz der Wirtschaftsleitung im ersten Quartal des laufenden Wirtschaftsjahres, das in Japan am 31. März 2012 endet, einen auf das Jahr hochgerechneten kräftigen Rückgang von 1,3 Prozent. Und die Gefahr weiterer Einbrüche ist weiter hoch, da das Land seine Währung nicht in den Griff kriegt. Erst gestern musste Finanzminister Yoshihiko Noda, der als nächster Ministerpräsident gehandelt wird, mit einer weiteren Intervention am Devisenmarkt drohen. „Ich werde zügige Maßnahmen ergreifen, wenn nötig“, sagte Noda. Daraufhin wertete der Yen von 76,71 Yen pro Dollar auf 76,89 Yen ab. Erst vor wenigen Tagen hatte Noda in erheblichen Mengen Yen verkauft und Dollar eingekauft.

Das Problem des Yen-Höhenflugs für die vom Export abhängige japanische Wirtschaft ist offensichtlich. Die im Ausland verkauften Waren werden dort teurer und damit weniger wettbewerbsfähig, die im Ausland erzielten Gewinne schrumpfen beim Rücktransfer ins Inland. Die Daten der Regierung gestern belegen, dass der Export um 4,9 Prozent zurückging. Aber auch die Folgen von Erdbeben und Tsunami, die teilweise zum Zusammenbruch der Lieferketten in wichtigen Industriezweigen führten, trugen erheblich zu der schwachen Wirtschaftsleistung bei.

Überrascht hat Marktbeobachter jedoch, dass die Nachbeben-Situation nicht so dramatisch ausfiel, wie sie angenommen hatten. Im Schnitt hatten Analysten mit einem Rückgang von 0,7 Prozent gerechnet. Doch die Lieferketten, insbesondere im Automobilsektor, konnten schneller als erwartet wieder aufgebaut werden. Teilweise wird deshalb schon wieder der Aufschwung gesehen. „Die Daten für Juli bis September werden wahrscheinlich einen zügigen Wachstumsschritt zeigen als Reaktion auf Konsum- und Exporterholung“, glaubt Yasunari Ueno, Chefökonom bei Mizuho Securities.

Recht geben könnte ihm, dass sich der private Konsum auf einem niedrigen Niveau halten konnte. Zudem zeigt einer der Kern-Indikatoren ebenfalls nach oben. Die Aufträge im Maschinenbau haben im Juni zugenommen, ein Zeichen dafür, dass die Wirtschaft vom Wiederaufbau der zerstörten Gebiete profitiert.

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