Wirtschaftswachstum
Konsumenten sparen, Firmen investieren

Auch im Sommer haben die Deutschen weniger konsumiert und damit das Wirtschaftswachstum belastet. Positive Impulse kommen dagegen vom starken Export und den Investitionen der weiterhin gut verdienenden Unternehmen. Die Bundesrepublik steuert Expertenprognosen zufolge außerdem nach einer leichten Erholung in diesem Jahr auf einen neuen Insolvenzrekord zu.

HB BERLIN/HAMBURG. Insgesamt wuchs die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal um 0,6 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Während die privaten Konsumausgaben um 0,2 Prozent zurück gingen, legten der Export um 4,7 Prozent und die Investitionen in Maschinen und Anlagen um 3,8 Prozent zu. Die Bauinvestitionen zogen so stark an wie seit sechs Jahren nicht mehr, was Experten aber vor allem auf das Wetter zurückführten.

Die Ausrüstungsinvestitionen trugen mit 0,3 Punkten zum Wachstum des Bruttoinlandsproduktes bei, wie das Amt mitteilte. Der Außenhandel steuerte 0,3 Punkte bei und die staatlichen Konsumausgaben 0,1 Punkte. Dagegen dämpfte der private Konsum das Wachstum um 0,1 Punkte. Zum Vorjahresquartal legte das BIP um 1,3 Prozent zu, wie aus der detaillierten Aufschlüsselung der bereits vor einer Woche veröffentlichten Eckdaten hervorging.

Bei Banken stieß der kräftige Anstieg der Investitionen auf ein positives Echo. Für das Gesamtjahr zeichne sich ein Anstieg um fünf Prozent ab, schrieben die Analysten der Commerzbank. Dies wäre der viertstärkste Anstieg der vergangenen 14 Jahre, nur übertroffen von den Jahren 1998 bis 2000. Der private Konsum blieb dagegen wie in den beiden Vorquartalen die Wachstumsbremse Nummer Eins, wie die DekaBank schrieb. Darin spiegelt sich nach Einschätzung der Investmentbank Goldman Sachs vor allem die schwache Entwicklung der verfügbaren Einkommen wider. Gründe dafür sind die hohe Arbeitslosigkeit und hohe Energiekosten.

Erbracht wurde die Wirtschaftsleistung von rund 39 Mill. Erwerbstätigen, 0,1 Prozent weniger als vor einem Jahr. Während die Entgelte der Arbeitnehmer das fünfte Quartal in Folge - um 0,7 Prozent - zurückgingen, stiegen die Unternehmens- und Vermögenseinkommen erneut merklich an, und zwar um 5,7 Prozent. Die Unternehmen profitierten von den Restrukturierungen der vergangenen Jahr und verbuchten weiter gute Gewinne, sagte Ulrike Kastens vom Bankhaus Sal. Oppenheim: „Spiegelbildlich passt dazu, dass die Arbeitnehmereinkommen nach wie vor sehr gedrückt sind.“ Es fehle das breite Masseneinkommen, das zur Belebung des Konsums beitragen könnte. Alexander Koch von der HVB sagte: „Man kann schon von einer Konsumrezession sprechen.“

Den Anstieg der Bauinvestitionen um 1,1 Prozent führten die Experten vor allem auf einen Wettereffekt nach dem sehr kalten Frühjahr zurück. Der Zuwachs sei nicht als Ende der seit Jahren anhaltenden Talfahrt am Bau zu werten, schrieb die Commerzbank. Allerdings scheint sich der Abwärtstrend abzuschwächen. So stieg der Auftragseingang in der Branche im September den dritten Monat in Folge an, um preisbereinigt 3,1 Prozent, wie das Statistikamt vermeldete. Möglicherweise zeichne sich allmählich eine Wende in der Branche ab, hieß es.

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