Wirtschaftswachstum
OECD hebt den Daumen für Deutschland

Die kräftige Erhöhung der Mehrwertsteuer wird den Aufschwung in Deutschland nach Expertenmeinung nicht bremsen. Die OECD sieht die Bundesrepublik trotz der zusätzlichen Belastungen für Bürger und Unternehmen auf Wachstumskurs. Die Organisation beunruhigen ganz andere Dinge.

HB BERLIN. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geht für 2007 von einem Anstieg des deutschen Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1,6 Prozent aus. Im laufenden Jahr erwartet sie 1,8 Prozent. Das Wachstum werde sich somit nur sehr wenig verlangsamen, teilte die Organisation mit.

„Mit stark wachsenden Exporten und anziehenden Investitionen sowie Verbraucherausgaben sollte die Wirtschaftsleistung 2006 zulegen.“ Die zunehmenden Ausgaben der Firmen spiegelten deren verbesserte Gewinnlage und eine höhere Kapazitätsauslastung wider. Die privaten Haushalte dürften ihre Zurückhaltung weiter ablegen und dabei von einer Stabilisierung des Arbeitsmarktes profitieren. Auch bei der Beschäftigung hält die OECD eine baldige Trendwende für möglich.

Im Gegensatz zu anderen Experten und Institutionen geht die OECD davon aus, dass Deutschland auch in diesem Jahr zum fünften Mal in Folge die europäische Drei-Prozent-Grenze beim Haushaltsdefizit leicht überschreiten wird. Erst im kommenden Jahr werde das Defizit - vor allem wegen der Mehrwertsteuererhöhung - auf 2,2 von 3,1 Prozent fallen.

Die OECD würdigte den begonnenen Reformprozess, mahnte aber weitere Anstrengungen etwa beim anstehenden föderalen Finanzausgleich an. „Diese müssen eingebettet werden in ein schlüssiges politisches Rahmenwerk mit weiteren Reformen beim Arbeitsmarkt und bei Produktmärkten.“

Exporte bleiben treibende Kraft

Deutschland dürfte als Exportland nach OECD-Ansicht weiter von der robusten Weltwirtschaft profitieren. „Eine starke Auslandsnachfrage wird voraussichtlich die treibende Wachstumskraft in diesem Jahr und im nächsten Jahr bleiben.“ Die Exporte legen demnach 2006 um 8,5 und 2007 um 7,3 Prozent zu.

Bereits im ersten Quartal stützte der Außenhandel mit 0,3 Prozentpunkten das Wachstum der deutschen Wirtschaft, die zum Jahresende 2005 um 0,4 Prozent zulegte. Die Erholung weitet sich zunehmend auch auf die Binnenwirtschaft aus: Investitionen in Maschinen und Ausrüstung sowie die Ausgaben der Verbraucher stiegen deutlich.

Wachstumsrisiken bleiben nach OECD-Einschätzung steigende Ölpreise, die die Inlandsnachfrage dämpfen würden. Zudem warnen die Experten davor, dass ein Absturz des Dollars, steigende Zinsen, ein Rückgang der Immobilienpreise in vielen Ländern die Weltwirtschaft hart treffen könnten. Gleichwohl sprechen sie sich angesichts des Inflationsrisikos in den USA für weitere Zinserhöhungen aus. Die Europäische Zentralbank sollte bei ihrer derzeitigen Straffung der Geldpolitik dagegen behutsam vorgehen und dabei auf Belege warten, dass die Inflationsrisiken tatsächlich zunehmen.

Das Wachstum in den USA soll sich der Prognose zufolge von 3,6 Prozent in diesem Jahr auf 3,1 Prozent 2007 abschwächen. In der Euro-Zone geht die OECD von 2,2 Prozent in diesem und 2,1 Prozent im kommenden Jahr aus, in Japan von 2,8 und 2,2 Prozent. Für alle OECD-Mitgliedsländer ergibt sich damit in diesem Jahr eine Zunahme der Wirtschaftsleistung um 3,1 Prozent und 2,9 Prozent 2007.

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