Wirtschaftswachstum
Sachsen übernimmt Spitzenplatz

Beide Bundesländer, in denen die SPD nach den Landtagswahlen vom 17. September weiter regieren kann, haben im ersten Halbjahr beim Wirtschaftswachstum schlechter als alle anderen Bundesländer abgeschnitten. Sachsen übernimmt dagegen die Spitze der regionalen Wachstumsrangliste. Das zeigen erste Schätzungen des Arbeitskreises Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder.

ari DÜSSELDORF. Danach wuchs die Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gegenüber der entsprechenden Vorjahreszeit nur um 0,5 Prozent. Mecklenburg-Vorpommern unter Ministerpräsident Harald Ringstorff war damit Schlusslicht beim Wachstum der Länder im ersten Halbjahr.

Sein Amtskollege in Berlin, der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, kann nur ein geringfügig besseres Ergebnis vorweisen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Hauptstadt legte preisbereinigt in den ersten sechs Monaten nur um 0,8 Prozent zu. Berlin belegt damit den zweitletzten Platz - zusammen mit dem Saarland, das im Gesamtjahr 2005 nach den bisher vorliegenden Zahlen noch den Spitzenplatz einnahm.

Den ersten Platz eroberte jetzt Sachsen mit 3,8 Prozent Wachstum. Im Gesamtjahr 2005 rangierte der Freistaat dagegen noch auf den hinteren Plätzen. Auf dem zweiten Rang liegt jetzt erneut Baden-Württemberg mit 3,3 Prozent. Der Bundesdurchschnitt beträgt 2,0 Prozent. Bayern hat ihn mit 2,1 Prozent Wachstum im ersten Halbjahr nur leicht übertroffen, was aber für Platz fünf reichte. Davor und deutlicher über dem Bundesschnitt sind Hamburg mit 2,4 und Thüringen mit 2,5 Prozent Wachstum anzutreffen.

Obwohl neben Mecklenburg-Vorpommern auch Sachsen-Anhalt und Brandenburg mit 1,8 und 1,6 Prozent BIP-Anstieg unterdurchschnittlich abschnitten, verzeichneten die fünf neuen Bundesländer - dank Thüringen und Sachsen - in den ersten sechs Monaten ein Wachstum von 2,4 Prozent. Der BIP-Anstieg in Ostdeutschland - allerdings ohne Berlin - war damit im Gegensatz zum vergangenen Jahr wieder höher als im Westen, der ohne Berlin 2,1 Prozent erreichte. Einschließlich Berlin ergeben sich Zuwächse von 2,0 Prozent in Ost wie West.

Beflügelt wurde das Wachstum der Gesamtwirtschaft durch die Dynamik in der Industrie, die im Bundesdurchschnitt um fünf Prozent zunahm. In Ostdeutschland war die Dynamik besonders stark: Das verarbeitende Gewerbe wuchs dort um 11,3 Prozent - angeführt von Sachsen mit 15,7 Prozent Plus war der preisbereinigte Anstieg in drei der fünf Länder zweistellig.

In Sachsen leistete nach Angaben des Statistischen Landesamtes des Freistaates auch das jahrelang schrumpfende Baugewerbe einen positiven Wachstumbeitrag. In Mecklenburg-Vorpommern sank dagegen die Bruttowertschöpfung des Baugewerbes weiterhin „besonders stark“, wie das Landesamt in Schwerin meldete. Da in diesem Ostsee-Land außerdem Handel, Finanzgewerbe und öffentlicher Dienst das Wachstum zusätzlich bremsten, reichte das Industrieplus von real 8,8 Prozent nicht aus, um der Gesamtwirtschaft einen Schub über ein halbes Prozent Wachstum hinaus zu geben. Das verarbeitende Gewerbe hat in Ostdeutschland insgesamt nach wie vor ein wesentlich geringeres Gewicht als im Westen.

Für Berlin kommt erschwerend hinzu, dass die Industrie mit 2,6 Prozent Wertschöpfungsplus etwa nur halb so stark zunahm wie im Bundesdurchschnitt. Im Gegensatz zu Mecklenburg-Vorpommern war aber die Entwicklung im Baugewerbe zumindest nicht negativ - das Statistische Landesamt der Hauptstadt spricht von einem „geringen Zuwachs“. Außerdem hätten Handel und Gastgewerbe trotz zu Jahresbeginn sinkender Umsätze in den ersten sechs Monaten insgesamt leicht zugelegt. Dies hat Berlin der Fußballweltmeisterschaft zu verdanken, die besonders viele Fans in die Hauptstadt lockte und damit auch anderen Wirtschaftszweigen der Stadt wie Verkehr Impulse gab. Auch deshalb konnte Berlin im ersten Halbjahr beim Wachstum einen kleinen Tick besser abschneiden als Mecklenburg-Vorpommern.

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