Wirtschaftswachstum
US-Wirtschaft schrumpft stärker als erwartet

Die US-Wirtschaft ist im Schlussquartal 2008 so stark wie seit 27 Jahren nicht mehr geschrumpft: Annualisiert sank die Wirtschaftsleistung um 6,2 Prozent. Die USA stecken damit viel tiefer in der Rezession als bislang angenommen. Auch andere Konjunkturzahlen fielen extrem mies aus.

HB WASHINGTON. Das starke Schrumpfen belegen die überarbeiteten Zahlen des US-Handelsministeriums vom Freitag. Es ist das größte Wachstumsminus seit dem ersten Quartal 1982. In einer ersten Schätzung von Ende Januar hatte das Ministerium noch ein Minus von lediglich 3,8 Prozent ermittelt. Damit wurden bereits pessimistisch Erwartungen von Volkswirten merklich übertroffen, die ein Minus von 5,4 Prozent erwartet hatten.

Für das Gesamtjahr ergibt sich laut Handelsministerium ein Wachstum von 1,1 Prozent. Auch hier wurde die erste Schätzung nach unten revidiert. Zunächst war ein Wert von plus 1,3 Prozent angegeben worden. Dies ist das schwächste Wachstum seit dem Jahr 2001.

Belastet wurde die amerikanische Konjunktur zum Jahresende vor allem von schwachen Konsumausgaben, den Investitionen und dem Außenhandel. Die Verbraucherausgaben, die für rund zwei Drittel der Wirtschaftsleistung stehen, sanken um 4,3 Prozent und damit so stark wie seit 1980 nicht mehr. Die Exporte brachen im Schlussquartal 2008 um 23,6 Prozent auf Jahressicht ein. Dies ist der stärkste Rückgang seit 1971. Die Investitionen der Unternehmen brachen mit einem Minus von 21,1 Prozent ebenfalls weg. Begrenzt wurde der Wachstumseinbruch indes von der Lagerhaltung der Unternehmen.

Die USA und auch der Rest der Welt befinden sich nach Einschätzung der Landesbank Hessen-Thüringen in der schärfsten Rezession seit dem 2. Weltkrieg. Nach dem stärksten Quartalseinbruch der US-Wirtschaft seit 1982 sei auch für das erste Quartal 2009 mit einem massiven Rückgang des BIPs zu rechnen. Der Arbeitsmarkt in den USA, der mit einer Verzögerung von etwa einem Quartal auf die Entwicklungen der gesamtwirtschaftlichen Aktivität reagiere, werde in den kommenden Monaten sehr schwach ausfallen. Anzeichen für eine konjunkturelle Belebung gebe es bislang nicht.

Im Kampf gegen den Abschwung hatte die US-Notenbank Fed den Leitzins im Dezember auf eine historisch niedrige Spanne von null bis 0,25 Prozent gesenkt.

Wegen der schwachen Wirtschaftsleitung verringerte sich der Preisauftrieb im vierten Quartal deutlich. Die annualisierte Kernrate des Preisindex PCE lag bei 0,8 Prozent (Erstschätzung: plus 0,6 Prozent). Im dritten Quartal hatte die Kernrate noch bei 2,4 Prozent gelegen. Die Kernrate des PCE wird von der US-Notenbank besonders beachtet./RX/bf/js

Offiziell erwartet die US-Regierung im Jahr 2009 nur einen leichten Rückgang des Bruttoinlandsprodukt in den USA. Die Wirtschaft dürfte demnach um 0,2 Prozent schrumpfen nach einem Anstieg von 1,3 Prozent im Jahr 2008. Bereits im kommenden Jahr werde wieder ein Wirtschaftswachstum von 3,2 Prozent erwartet. Die Daten sind die Grundlagen für die Haushaltsplanung der amerikanischen Regierung.

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