Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro
"Das Schlimmste steht noch bevor"

Die Wirtschaftsweise Beatrice Weder di Mauro glaubt, dass die Krise noch nicht vorüber ist. Vielen Bereichen stehe noch das Schlimmste bevor. Doch sie sieht auch Licht am Tunnelende. Eine dezidierte Meinung hat Weder di Mauro, wie mit nicht überlebensfähigen Banken zu verfahren sei.

HB BERLIN. Solche Institute müssten zumindest teilweise abgewickelt werden, fordert die Wirtschaftsweise. "Es kann nicht sein, dass alle Banken systemrelevant sind und deswegen der Steuerzahler fast die gesamte Haftung übernimmt", sagte sie der "Berliner Zeitung" (Samstagsausgabe). Für Banken ohne funktionierendes Geschäftsmodell sei ein Verfahren erforderlich, das der Insolvenz nahe komme, aber die systemischen Risiken berücksichtige und Dominoeffekte minimiere. "Marktdisziplin kann nur zurückkehren und ein funktionierendes Finanzsystem kann nur entstehen, wenn die staatlichen Garantien wieder durch ein Haftungssystem ersetzt werden", sagte die Wirtschaftsweise.

Das für Dienstag geplante Treffen von Bundesregierung und Bundesbank, auf dem eine Lösung für die Entsorgung fauler Papiere in den Bankbilanzen gefunden werden soll, bezeichnete die Wirtschaftsweise als "die letzte Chance für eine grundsätzliche Weichenstellung zur Bankenrestrukturierung". Die Spitzen von Regierung und Bundesbank wollen am Dienstag unter Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über den Umgang mit faulen Papieren beraten. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) schlägt die Einrichtung gleich mehrerer sogenannter Bad Banks vor. Darin sollen Banken ihre faulen Wertpapiere auslagern können, die zurzeit unverkäuflich sind und die die Bankbilanzen schwer belasten.

Angesichts der jüngsten Entwicklung in der Wirtschafts- und Finanzkrise warnte Weder di Mauro vor zu viel Optimismus. "Momentan gibt es ein paar positivere Nachrichten, die zu etwas Euphorie geführt haben. Ich fürchte aber, dass in vielen Bereichen das Schlimmste noch bevorsteht." Auf dem Arbeitsmarkt und auch in vielen Unternehmen seien die negativen Effekte bislang nur teilweise angekommen. Sie gehe aber davon aus, "dass es innerhalb dieses Jahres zu einer Bodenbildung kommt".

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