Wirtschaftsweisen
Weltweites Umfeld bleibt günstig

Die deutsche Wirtschaft muss sich nur auf geringe Risiken in Folge des erwartenden Abbaus globaler Ungleichgewichte einstellen. Die Regierung müsse sich aber davor wappnen, dass es zu einer Aufwertung des Euros gegenüber dem US-Dollar oder einer Rezession in den Vereinigten Staaten kommen könne, warnen die Wirtschaftsweisen.

DÜSSELDORF. Die Wirtschaftsweisen haben am Mittwoch ihr Jahresgutachten vorgelegt. Aus Sicht des ökonomischen Beraterzirkels der Bundesregierung müsse etwa die Europäische Zentralbank (EZB) agieren, sollte es zu einer Aufwertung des Euros gegenüber dem US-Dollar oder einer Rezession in den Vereinigten Staaten kommen. Die EZB sei auch in der Vergangenheit bereit gewesen, bei „ungeordneten Verhältnissen“ auf dem Devisenmarkt stabilisierend einzugreifen.

Zum anderen verfüge die deutsche Fiskalpolitik erstmals wieder über einen deutlichen Abstand von der Dreiprozentgrenze des Maastricht-Vertrags. Damit wäre sie aus Sicht der Ökonomen in der Lage, bei einer sehr starken Abkühlung der Weltkonjunktur und der damit einhergehenden Gefahr eines Abgleitens der deutschen Wirtschaft in eine Rezession „die automatischen Stabilisatoren wirken zu lassen und gegebenenfalls auch mit diskretionären Maßnahmen stabilisierend einzugreifen“.

Vor allem das amerikanische Leistungsbilanzdefizit ist in den zurückliegenden 15 Jahren stetig gestiegen. Im laufenden Jahr wird es mit einem Fehlbetrag von knapp 890 Mrd. US-Dollar laut SVR eine „dominante Stellung“ unter den Defizitländern einnehmen. Dem stehen Überschüsse in den meisten anderen Industrieländern gegenüber. Den größten Anteil zum Leistungsbilanzdefizit steuert die Handelsbilanz bei.

Mit dem Defizit, per definitionem der Unterschied zwischen der Ersparnis und den Investitionen der übrigen Welt, hat auch die Auslandsverschuldung der Vereinigten Staaten erheblich zugenommen. Bereits seit 20 Jahren ist die Nettoauslandsposition der USA negativ. Konjunkturbeobachter mahnen regelmäßig, das Defizit könne nicht auf Dauer bestehen – weil es eine Weltrezession zur Folge haben könnte. Bei einem Wert von mehr als sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) gilt das Risiko als beträchtlich, zumal positive Faktoren wie Ölpreisrückgänge kaum kalkulierbar sind.

Aus Sicht des Sachverständigenrates scheint es „für die Zukunft nahezu ausgeschlossen“, dass die US-Wirtschaft ein Leistungsbilanzdefizit in Höhe von mehr als sechs Prozent in Relation zum nominalen BIP aufrecht erhalten kann – auch, wenn die Nettoverschuldung der USA derzeit noch nicht Besorgnis erregend sei. Dazu müssten die privaten Haushalte ihre ungewöhnlich hohe Verschuldungsbereitschaft beibehalten, was mit einer Anhebung der US-Leitzinsen auf ein als neutral einzustufendes Niveau und dem Abklingen des Immobilienbooms allerdings nicht zu erwarten sei, schreiben die Ökonomen.

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